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Modejournalismus : Die Macht der Modeblogger

Aber dann sagt er auf dem Podium doch noch etwas, das den Frieden stört: Tavi sei doch nur so etwas wie die neue It-Bag der Mode. Da reagieren die Blogger wütend. Was soll denn das heißen? Warum sollten sie ein Anhängsel der Branche sein? Wo sie sich doch frei fühlen?

Die Modefirmen wollen profitieren

Das Zusammenspiel von Marken und Bloggern funktioniert meist ganz einfach. Da ist beispielsweise Natalie Manchot, Jung-Redakteurin der Münchner Frauenzeitschrift „Madame“. Sie kommt zu den Schauen nach Paris und kleidet sich mit Allure, Street-Style-Fotograf Scott Schuman lichtet sie ab und stellt das Foto auf seinen Blog, der von Zehntausenden gelesen wird. In den nächsten Tagen gibt es mehrere hundert Kommentare, die meisten loben die Hose, die Tasche, den Look.

Der Pullover, den sie trägt, er hat Glanzstreifen und zeichnet die berühmte Mick-Jagger-Zunge nach, ist nicht einmal richtig zu sehen. Er wurde von der Designerin Ayzit Bostan entworfen, die später sagt, allein dieses Bild in diesem Blog habe von New York bis Seoul zu einem Verkaufsboom für den Pullover geführt. Natürlich versuchen Modefirmen, sich das zunutze zu machen.

1615 Euro für zwei Blogbeiträge

Kathrin Bierling ist Redakteurin der Zeitschrift „Instyle“ und betreibt mit ein paar Freundinnen den Blog „Modepilot“. Vergangene Woche hat sie erfahren, wie viel ihre Freiheit als Bloggerin wert ist, und zwar auf den Euro genau. Ein deutsches Modeunternehmen schlug ihr vor, sie solle zwei Beiträge über eine neue Aktion des Hauses in ihren Blog schreiben. Dafür werde sie 1615 Euro erhalten.

Sie lehnte ab, was ihr leichtfiel, sie ist ja bei einem Verlag angestellt. Aber es wundert sie, dass ein Unternehmen sich so etwas traut, dass man glaubt, jemand würde wirklich darauf eingehen. Andererseits, wenn der Preis so genau feststeht, heißt das nicht, dass es ein System gibt, das bereits funktioniert? Kathrin Bierling ist gespannt, welcher Blog über die Aktion berichten wird.

Blogger mit Assistent

Scott Schuman, einundvierzig Jahre alt, hat die Standards im „street style“ gesetzt. Vor fünf Jahren, nach einer langen Karriere in der Herrenmode mit einem guten Blick ausgestattet, begann er mit der Website „Sartorialist“. Dort zeigt er gestochen scharfe Fotos gutgekleideter Menschen. Schuman, der auf die Jil-Sander-Schau am Castello Sforzesco wartet und immer etwas nervös nach neuen Leuten Ausschau hält, ist über die Szene hinausgewachsen.

Ganz am Anfang seiner Idee stand August Sander, der schon vor fast hundert Jahren Leute auf der Straße fotografierte, „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Dann kam Bill Cunningham, jetzt auch schon über achtzig, der Mann mit der blauen Jacke, der seit mehr als dreißig Jahren Bilder von gelungenem Straßenstil für die „New York Times“ einfängt.

Scott Schuman hat die „street style photography“ ins Internet überführt. Inzwischen hat er einen Assistenten, weil er selbst so viel zu tun hat mit Büchern, Sendungen, Magazinen. Alle, die in Höchstgeschwindigkeit posten, lassen nach ein paar Jahren nach. Vielleicht ist es bei ihm bald so weit, er hat jahrelang ein irres Tempo durchgehalten.

Die meisten erfolgreichen Blogger werden von Verlagen gekauft

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