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Modejournalismus : Die Macht der Modeblogger

Tommy Ton und Bryanboy gehören auf einmal dazu. Dafür sitzen andere nun hinter ihnen. Hinter Tommy Ton zum Beispiel sitzt die Chefredakteurin der deutschen „Madame“, hinter Bryanboy sitzt Stephen Sadove, Chef von Saks Fifth Avenue, der größten Kaufhauskette Amerikas. Früher saßen die beiden meist vorn, jetzt müssen sie hinter die Blogger.

Doch die meisten im Publikum wissen gar nicht, wer diese Leute mit den lustigen Sonnenbrillen und den engen Jeans überhaupt sind. Das macht es auch nicht besser – nicht zu wissen, für wen man da zurückgesetzt wurde. Sie spüren, dass sich gerade etwas verändert, sie wollen aber oft nicht so genau wissen, was es ist.

Designer umschwärmen sie

Ingrid Sischy, die fast zwanzig Jahre lang Andy Warhols Magazin „Interview“ leitete, sagt: „Das Schlimmste, was wir jetzt tun könnten, wäre, die guten alten Zeiten zu beschwören. Blogs sind was Intimes, wie Unterwäsche. Aber man kann auch ohne Unterwäsche ausgehen.“

Angelica Cheung, Chefredakteurin der „Vogue China“, liest erst gar keine Blogs. Sie sagt: „Die mögen für eine Info gut sein, tiefer geht’s meistens nicht.“ Christiane Arp, Chefin der deutschen „Vogue“, hat keine Zeit, selbst etwas in Blogs zu suchen. Sie lässt es sich auswählen.

Bryanboy, schmal, hübsch, fast androgyn, schiebt die Brille ins Haar. Er beherrscht längst die Erste-Reihe-Gesten. Marc Jacobs hat schon eine Tasche nach ihm benannt. Auch bei Prada hat er einen Erste-Reihe-Platz. Bei Gucci ist es allerdings nur fünfte Reihe, wie Tommy Ton in der vierten lächelnd bemerkt. Dolce & Gabbana werden ihm einen Tag nach ihrer Schau einen dicken Fuchspelzmantel schenken.

„Sie haben es genau richtig getroffen“, wird Bryanboy nur ein paar Stunden später, entwaffnend ehrlich und rührend begeistert, in seinen Blog schreiben. „Die Proportionen, die Größe etc. Ich finde noch immer keine Worte angesichts dieser großzügigen und super-extravaganten Geste. Vielen, vielen Dank!“

Leben in Einzelteilen

Bryanboy ist dreiundzwanzig Jahre alt und gern ein Star. Er kleidet sich exaltiert, sieht exotisch aus. Er ist auf den Philippinen geboren, aber überall zu Hause. Er war gerade zehn Tage in New York, fliegt übermorgen für drei Tage nach Manhattan zurück, mit seinen Frequent-Traveller-Meilen, kommt dann zur Modewoche nach Paris und fliegt danach erst wieder nach Manila.

Seine Mutter hat er seit einem Monat nicht gesehen. In Mailand übernachtet er bei einem Facebook-Freund. Sein Blog ist ein witziges Tagebuch, schnell gemacht, schnell gelesen. Sein Leben ist ein Patchwork aus Schnipseln, Eindrücken, Fotos, Sätzen.

Auch seine Mode besteht aus vielen Einzelteilen, ein Gesamtkunstwerk. Wildleder-Leggins und Halsschmuck: von den Philippinen, Pelz: Vintage, also aus dem Schrank, Schuhe: Lanvin, Tasche: Mulberry, Sonnenbrille: Frankie Morello. Er friert noch ein bisschen trotz Pelz, das ist der Jetlag. Er konnte sich gar nicht umziehen nach dem Flug. „Ich sehe aus! Ich muss mich entschuldigen!“ Er hat Stress, muss dann später gleich weiter, aber das ist alles egal: „Hierfür lebe ich!“

Es zählt nur der Moment

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