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„The Mopes“ bei TNT-Comedy : Mittelgradige Episoden

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Schon lange da? In der TNT-Serie „The Mopes“ spielt Nora Tschirner eine Depression und muss dabei gegen überraschend viel Mittelmäßigkeit ankämpfen.

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          Wenn Sie sich einmal nicht fragten, wie es Ihnen mit Ihrer Depression geht, sondern Ihre Depression fragen könnten, wie es ihr mit Ihnen geht, was würden Sie dann noch fragen? In der Serie „The Mopes“ wäre das denkbar. Grundidee ist, dass der Musiker Mat (Roel Dirven) plötzlich seine personifizierte Depression sehen und mit ihr sprechen kann. Nora Tschirner, die selbst mit Depressionen zu kämpfen hatte und dazu auch öffentlich Stellung nimmt, spielt „F32.1-2011/01“: Anhand der ersten vier Zeichen ist sie laut „Internationaler statistischer Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD) als mittelgradige depressive Episode erkennbar. Als Plagegeist ist sie nicht nur hörbar – „Du bist wertlos, Du kannst nichts“ –, sondern platzt ungefragt in jede Lebenslage von Mat, der als Ex-Boyband-Mitglied frisch bei seiner Freundin eingezogen ist und nun versucht, solo durchzustarten.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Nun kann man mit Nora Tschirner als einer der Wenigen, deren Gesicht auch die feinen Spielarten des Humors gekonnt auszudrücken vermag, wenig bis nichts falsch machen. Auch die „1984“-Lochkarten-Rohrpost-Bürokratie als die ihre Welt, die „Zentrale für psychische Erkrankungen“ hier inszeniert wird, bereitet Schaulust.

          Diese vergeht samt sorgsam eingestreuter Feinheiten jedoch angesichts des schwachen Protagonisten – Roel Dirven kann seiner entsetzlich anstrengenden Rolle wenig Ironie abgewinnen – und der unausgereiften Diversity-Offensive: Mats liebevoller Kumpel Nabil (Ugur Kaya) ist ein libanesischer Falafel-Verkäufer, seine Schwester Pippa (Gina Henkel) ist mit Astrid (Adina Vetter) verheiratet: „Cool, Lesbenporno!“

          Und statt es als selbstverständlich zu inszenieren, wird hier lieber kein Klischee (nebst dazugehöriger Mikro-Aggression) ausgelassen. Sobald es kurz nach Bangkok geht, ist das Erste und Einzige, was im Hotel wartet, eine Asiatin, die sich in schwarzer Spitzenunterwäsche auf Mats Schoß rekelt. Man hätte Tschirner ein Umfeld gewünscht, dass den Mut besitzt, auch mit dem Humor dahin zu zielen, wo es nun mal grimmig wird – anstatt pädagogisch zu problematisieren. Ihr Verdienst ist es, ihre Rolle dennoch stoisch mit subtiler Komik auszustatten. Allein damit wahrt sie nicht nur die Würde der Serie, sondern auch die der Krankheit.

          The Mopes, dienstags, 20.15 Uhr, bei TNT-Comedy

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