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Mitteldeutscher Rundfunk : Hilder soll MDR-Intendant werden

Bernd Hilder Bild: dpa

Der Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, Bernd Hilder, ist für den Intendantenposten beim MDR ausgewählt worden. Am 26. September soll Hilder vom Rundfunkrat gewählt werden.

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          Der Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, Bernd Hilder, soll neuer Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) werden. Der Verwaltungsrat des Senders nominierte ihn für die Wahl mit der „erforderlichen qualifizierten Mehrheit“, also mit mindesten fünf von sieben Stimmen. Drei Kandidaten hatten sich dem Gremium präsentiert - neben Hilder die stellvertretende Intendantin Karola Wille und der stellvertretende WDR-Fernsehdirektor Helfried Spitra.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Nachfolger des Senderchefs Udo Reiter wird vom Rundfunkrat auf Vorschlag des Verwaltungsrats gewählt. Die Wahl ist für den 26. September vorgesehen, am 1. November soll der neue Intendant sein Amt antreten. Der Bewerber braucht im Rundfunkrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Der Intendant Reiter hatte im Mai seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt.

          Vier Abstimmungen waren nötig

          Der Vorstellung der Kandidaten sei eine intensive Beratung gefolgt, teilte der Verwaltungsrat mit - diese dauerte bis in den frühen Abend hinein. Daran lässt sich ablesen, dass die Vorauswahl eng war - erst im vierten Wahlgang einigten sich die Verwaltungsräte mit dem nötigen Quorum auf Hilder. Er habe bei seiner Präsentation dargestellt, dass er über langjährige Erfahrung in den Medien verfüge, sowohl bei der ARD als auch bei den Printmedien. Hilder habe insbesondere „die Notwendigkeit trimedialer Angebote“ betont - damit ist der beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gern gehörte Dreiklang von Radio, Fernsehen und Internet gemeint.

          Bernd Hilder wurde in Bückeburg (Niedersachsen) geboren, er studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Freiburg. 1982 wurde er freier Journalist, später Redakteur beim damaligen Sender Freies Berlin. Ende der 80er Jahre ging er als Hörfunk-Korrespondent nach Washington, später berichtete er für die ARD mit Sitz in Mexico-City über Lateinamerika und die Karibik. Nach 13 Jahren bei der ARD übernahm er 1995 die Chefredaktion der „Schaumburger Nachrichten“. Im Jahr 2000 wurde er Chefredakteur des „Göttinger Tageblattes“, seit 2003 steht er an der Spitze der „Leipziger Volkszeitung“. Außerdem ist Hilder in der Jury des Theodor-Wolff-Preises und seit März 2010 Sprecher des Deutschen Presserats. Er ist parteilos, verheiratet und hat zwei Kinder.

          Die Vorauswahl der Vorauswahl

          Bei der - inoffiziellen - Vorauswahl der jetzigen - offiziellen - Vorauswahl hatten die Staatskanzleien der drei MDR-Staatsvertragsländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Sie hatten aber keine klare, eindeutige Linie vorgegeben - was man an der Zahl der Abstimmungen im Verwaltungsrat ablesen kann. Nicht wenige hielten die Justitiarin und stellvertretende MDR-Intendantin Karola Wille für die richtige Wahl. Für Bernd Hilder spricht, dass er die ARD und den Rundfunk zwar gut kennt, aber von außen und also unbelastet zum MDR stößt.

          Überschattet wird die Wahl nämlich durch den Skandal um den gekündigten Unterhaltungschef des MDR, Udo Foht. Foht soll sich über Jahre hinweg bei Produzenten Summen zwischen 10.000 Euro und 180.000 Euro geliehen, beziehungsweise veranlasst haben, dass diese Summen an andere Produzenten überwiesen wurden (siehe auch MDR: Unterhaltungschef fristlos gekündigt). Das Geld hatte er zum Teil verspätet, zum Teil gar nicht zurückgezahlt, wie der MDR zwischenzeitlich mitteilte. Auch schloss Foht Beraterverträge mit Produktionsfirmen ab, die ihm vom Sender nicht genehmigt worden waren. Der Skandal wird eines der ersten Themen sein, mit denen sich der neue Intendant des MDR befassen muss.

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