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„Huffington Post“ : Sie können jetzt gehen

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Hat der „Huffington Post“ einen Kurswechsel verordnet: die amtierende Chefredakteurin Lydia Polgreen. Bild: EPA

Einst galt der Ansatz als „radikal demokratisierend“, nun meint die neue Chefredakteurin, die Kakophonie im Netz bedrohe die Demokratie: Die „Huffington Post“ schickt ihre vielen unbezahlten Schreiber in die Wüste.

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          Die „Huffington Post“ hat sich offenbar entschlossen, nicht länger unbezahlte Blogger zu beschäftigen. Damit verabschiedet sich die 2005 von Arianna Huffington, Kenneth Lerer, Andrew Breitbart und dem „Buzzfeed“-Gründer Jonah Peretti ins Leben gerufene Online-Zeitung, die seit 2011 dem Konzern AOL gehört (der seit 2015 eine Tochtergesellschaft von Verizon ist), von ihrer Gründungsidee. Diese lautete, mit unbezahlten Beiträgen von Autoren sonder Zahl den Informationsmarkt zu stürmen und zu einem bestimmenden Faktor der Meinungsbildung zu werden.

          Die seit einem Jahr amtierende Chefredakteurin Lydia Polgreen, die von der „New York Times“ zur „Huffington Post“ kam, hat eine originelle Begründung für den Kurswechsel parat. „Plattformen, die einst radikal demokratisierend erschienen“, schreibt sie, „bedrohen inzwischen mit einem Tsunami falscher Informationen die Demokratie.“ Websites ohne redaktionellen Filter seien zu chaotischen, lärmenden Orten der Kakophonie verkommen, an denen sich die Stimmen gegenseitig übertönten und derjenige die Oberhand gewinne, der am lautesten schreie. „Wenn jeder ein Megaphon hat, wird niemand gehört“, schrieb Lydia Polgreeen. Man wolle sich künftig auf Qualitätsjournalismus konzentrieren und möglichst wenige ungeprüfte Beiträge publizieren. Neu eingeführt wird bei der „Huffington Post“ nun eine eigens ausgewiesene Meinungsrubrik sowie eine Kategorie mit dem Titel „HuffPost Personal“. Beides wird von – was man bei der „Huffington Post“ eigens dazusagen muss –, bezahlten Journalisten betreut.

          Die Website, die als HuffPost firmiert, war als Gegenstück zu dem konservativen „Drudge Report“ entstanden, an dem ebenfalls der 2012 verstorbene Andrew Breitbart mitwirkte, der 2007 obendrein das nach ihm benannte, konservative Portal „Breitbart“ ins Leben rief. Das Netzwerk unbezahlter Blogger, das zehn bis fünfzehn Prozent des Website-Verkehrs der „Huffington Post“ anzog, umfasste zuletzt etwa hunderttausend Autoren. Unter diesen fanden sich Politiker und Prominente, Akademiker und Lifestyle-Gurus, aber auch Vertreter von Verschwörungstheorien, Impfgegner und Alternativmediziner. In den vergangenen Jahren hat die „Huffington Post“ jedoch eine wachsende Belegschaft professionellen Journalisten aufgebaut.

          2012 gewann die Publikation mit einer Reportage des Journalisten David Wood über schwerverwundete Kriegsveteranen einen Pulitzerpreis. Wood gehörte jedoch im vergangenen Sommer zu den rund vierzig Mitarbeitern, die im Rahmen von Sparmaßnahmen des Mutterkonzerns Verizon – Verizon übernahm 2015 mit AOL den Eigner der „Huffington Post“ – ihren Job verloren. Heute erscheint die „Huffington Post“ außer in den Vereinigten Staaten in zahlreichen anderen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Japan, Brasilien und Südafrika. Das Unternehmen beschäftigt laut einem Bericht der „New York Times“ etwa 210 Redakteure in Amerika und 340 international. Die vielen unbezahlten Kräfte, die sich von Arianna Huffington einreden ließen, dass sie auch etwas davon hätten oder vielleicht auch ganz eigene Ziele verfolgten, die jedenfalls halfen, die Marke „Huffington Post“ groß zu machen, haben ihre Schuldigkeit offenbar getan.

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