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Mit Twitter auf Psychopathensuche : Jagd nach dem Attentäter

Ein Polizist entfernt in Aurora das Absperrband vor dem Appartment des mutmaßlichen Attentäters James Homes. Hätte die Tat verhindert werden können, wenn Homes auf Twitter aktiv gewesen wäre? Bild: AP Photo/Alex Brandon/dapd

Wäre James Homes auf Twitter aktiv gewesen, hätte die Tragödie in Aurora angeblich verhindert werden können. Führt der Kurznachrichtendienst auf die Spur von Psychopathen?

          James Holmes, der Massenmörder von Aurora, kam aus dem digitalen Nichts. Er nutzte weder Facebook noch Twitter. Wäre er auf dem Kurznachrichtendienst aktiv gewesen, dann hätte die Tragödie möglicherweise verhindert werden können, zumindest wenn man dem amerikanischen Nachrichtensender Fox News glauben will.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der hatte in seinem Online-Auftritt verlautbart, dass eine Studie festgestellt habe, man könne durch die Analyse von Twitter-Nachrichten herausfinden, wer ein Psychopath sei. Die Forscher der Florida Atlantic University (FAU) und der Online Privacy Foundation (OPF) könnten dies anhand der „Dunklen Triade“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus mit „einer einigermaßen hohen Wahrscheinlichkeit“ vorhersagen. Diese Lesart der Studie, die erst am kommenden Wochenende auf der Hackerkonferenz Defcon in Las Vegas vorgestellt werden soll, setzte sich in den folgenden Tagen im Internet fort. Da half es bislang auch nichts, dass Chris Sumner von der OPF versucht hat, seiner Interpretation der Ergebnisse Gehör zu verschaffen.

          Viele Unschuldige würden verdächtigt

          Die aktuelle Studie beruht auf Ergebnissen einer Untersuchung der Cornell University vom vergangenen Jahr. Dort war herausgekommen, dass psychopathische Mörder bestimmte Sprachmuster benutzen, wenn sie über ihre Taten reden. So sprachen sie öfter als Nicht-Psychopathen in der Vergangenheitsform, wiesen auf körperliche statt auf soziale Bedürfnisse hin, nutzten mehr Füllwörter wie „uh“ oder „ähm“ und mehr Bindewörter wie „weil“ oder „so dass“. Sumner und Randall Wald von der FAU hatten sich daraufhin gefragt, ob diese Erkenntnisse auch auf Twitter anwendbar seien. Sie befragten fast dreitausend Freiwillige zu ihrer Persönlichkeit, um einen Eindruck von deren Charakter zu bekommen, ordneten sie auf der Hare-Skala ein und analysierten den Twitter-Verkehr. So fanden sie 41 mögliche Psychopathen. Sumner sagte zwar, dass die Studie helfen könne, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale aus dem Auftritt in sozialen Medien herauszufiltern. Dieser Zeitung gegenüber verlieh er jedoch seiner Sorge Ausdruck, dass die nach Sensation heischenden Mediendarstellungen zu falschen Schlussfolgerungen führen könnten. Es brauche noch wesentlich mehr Forschungsarbeit, bevor es valide Ergebnisse gebe. Wenn Personalmanager heute versuchten, aus sozialen Medien auf Charaktereigenschaften der Bewerber zu schließen, sei das zu früh und führe zu falschen Ergebnissen.

          Was die Jagd nach künftigen Attentätern angeht, sieht Sumner große Probleme. Die Methode könne zwar genutzt werden, um nach Kriminellen zu fahnden, er bezeichnete das aber als eine schlechte Sache. Wenn dieses Vorgehen genutzt würde, wären viele Leute verdächtig, die unschuldig seien. Nur weil es wahrscheinlich sei, dass jemand eine psychopathische Veranlagung habe, heiße das noch nicht, dass er kriminell sei. Hält man sich an Untersuchungsergebnisse aus dem Buch „The Psychopath Test“ des walisischen Journalisten Jon Ronson, müssten viele Unternehmensvorstände großer Firmen beobachtet werden. Von denen seien vier Prozent, im Gegensatz zu dem einen Prozent in der allgemeinen Bevölkerung, psychopathisch veranlagt.

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