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Plattform für Provokationen : Milo Yiannopoulos trollt jetzt für Donald Trump

  • -Aktualisiert am

Auffallendes Auftreten: Milo Yiannopoulos will im Gespräch bleiben, deshalb muss eine neue Plattform her. Bild: AFP

Der Journalist Milo Yiannopoulos startet sein eigenes Portal. Der „Breitbart“-Provokateur kündigte an, dass er Journalisten, Politikern und Feministen damit das Leben schwer machen wolle.

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          Milo Yiannopoulos ist so etwas wie der Posterboy der Alt-Right-Bewegung. Der britische Journalist mit dem wasserstoffblonden Haar und schrillen Outfits provoziert mit frauenfeindlichen und rassistischen Texten. Zuletzt sorgte er mit der Aussage für Aufsehen, die Sängerin Ariana Grande, bei deren Auftritt in Manchester ein Selbstmordattentäter 22 Menschen in den Tod riss, habe ihre Fans nicht vor den Gefahren eines Konzertbesuchs gewarnt. Zwar hat Yiannopoulos auf Facebook mehr als zwei Millionen Anhänger, aber sein Twitter-Konto wurde wegen einer Hetzkampagne gegen die afroamerikanische Schauspielerin Leslie Jones gesperrt. Und nachdem er bei seinem früheren Arbeitgeber, dem rechten Nachrichtenportal „Breitbart News“, wegen Kritik an einem seiner Kommentare über Pädophile gekündigt hat, fehlte ihm die publizistische Plattform.

          Das soll sich ändern. Der Journalist will ein eigenes Medienunternehmen gründen. „Milo Inc.“ soll sich, wie Yiannopoulos auf Facebook verkündet, der „Zerstörung der politischen Korrektheit“ widmen. Er werde jeden wachen Moment seines Lebens damit zubringen, Journalisten, Professoren, Politikern, Feministen und Black-Lives-Matter-Aktivisten das Leben „zur Hölle zu machen“, schreibt er. Zwölf Millionen Dollar Startkapital habe er gesammelt. Am geplanten Redaktionssitz in Miami sollen dreißig Journalisten beschäftigt werden.

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          Auf der Website „Milo News“ (milo.yiannopoulos.net), die für eine Übergangsphase Artikel von Yiannopoulos und Fremdmaterial versammelt, kann man schon einen Eindruck gewinnen, wie die Publikation aussehen wird. Da ist zum Beispiel ein Hetzartikel gegen die „sozialen Gerechtigkeitskrieger“ in Portland, die angeblich mit einer Restaurantliste gegen mangelnde kulinarische Diversität vorgehen wollen. „Milo News“ beackert unter den Rubriken Waffen, Immigration und Terrorismus das Feld rechtsgerichteter amerikanischer Publizistik, und doch will sich Yiannopoulos von Portalen wie „Breitbart“, „The Blaze“ und „Infowars“ abheben. Janet Bloomfield erklärte Yiannopoulos auf ihrem Blog „Judgy Bitch“ zum Vertreter eines „intellektuellen Populismus“ – ein Etikett, das in den Vereinigten Staaten nicht negativ konnotiert ist und sich auch die konservative Zeitschrift „National Review“ anheftet. Doch Yiannopoulos geht es nicht darum, mit Affronts die Grenzen des Sagbaren auszudehnen, sondern einen intellektuellen Überbau über an Trump orientierte Krawall-Strömungen zu konstruieren.

          Yiannopoulos, dessen Homosexualität und Auftreten so gar nicht zum konservativen Milieu passen wollen, verbindet reaktionäre Inhalte mit einer linken Ästhetik – ein Stil, der bis vor kurzem auch kennzeichnend für die „Weltwoche“ war. James Delingpole, der für „Breitbart“ und den „Telegraph“ schreibt, hob in einem Gastbeitrag für die „Weltwoche“ zu einer Eloge auf den Kollegen an: „Er kann Ideen so formulieren, dass sich die Jugend und ein breiteres Publikum angesprochen fühlen.“

          In der Kontroverse um das Frauenbild in Computerspielen positionierte sich Yiannopoulos klar gegen feministische Kritik, wonach Videospiele von Sexismus geprägt seien. Seine Haltung will er als progressiv verstanden wissen. In seinem letzten Beitrag für „Breitbart“ erhob Yiannopoulos den Konservatismus zur Gegenkultur sowie zum „neuen Punk“. Ein Intellektueller im klassischen Sinn ist der mehrfache Studienabbrecher nicht, eher ein Troll, der die Gepflogenheiten der politischen Debatte genüsslich missachtet. Ob er mit seinem Start-up den Furor der Trumpisten monetarisieren kann, ist noch nicht ausgemacht. Nur so viel ist klar: Milo Yiannopoulos will Gesprächsthema bleiben.

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