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„Millionärswahl“ bei Pro Sieben : Talent optional, Bestechung erlaubt

  • -Aktualisiert am

Eine neue Fernsehshow lässt die Zuschauer entscheiden, wer eine Million Euro gewinnen soll - wie auch immer. 27.000 Interessenten haben sich beworben, 49 stellen sich zur „Millionärswahl“.

          Mit etwas Glück oder Pech könnte Pro Sieben in die Geschichte eingehen als der Fernsehsender, der dem Haschisch in Deutschland zum endgültigen Durchbruch verhalf: mit einer Spende von einer Million Euro für den Deutschen Hanf Verband (DHV).

          Ein Werbevideo, das der Verband gedreht hat, macht auf tragische Kiffer-Schicksale in Deutschland aufmerksam. Ein junger Mann klagt, dass er in seinem Beruf in der Kfz-Branche chancenlos sei, weil er in der Bewerbung angeben müsste: „Führerscheinentzug durch gelegentlichen Cannabis-Konsum.“ Der DHV strebt eine „legale, verbraucherfreundliche Marktregelung für das Genussmittel Cannabis“ an und braucht Geld für Öffentlichkeitsarbeit. Um von Pro Sieben eine Million dafür zu erhalten, muss er nur bei der Show „Millionärswahl“ die meisten Stimmen des Publikums und der Mitkonkurrenten bekommen. Unter die letzten 49 von 27.000 Kandidaten hat er es schon geschafft.

          Die Initialzündung

          Ein Sieg wäre irgendwie treffend. Denn die Geschichte dieser Sendung ist die Geschichte eines gewollten Kontrollverlustes. Wer vom kommenden Donnerstag an in insgesamt acht Live-Shows auf Pro Sieben und Sat.1 um die Million kämpft, entschieden allein die Teilnehmer untereinander. Bis zum letzten Wahlgang vor vier Wochen wussten die Fernsehleute noch nicht, mit welchen Geschichten, Talenten und Persönlichkeiten das Programm gefüllt würde.

          Karsten Dusse

          Kein Wunder, dass es schwer war, einen Sender dafür zu finden.

          Drei Jahre hat es gedauert. Vier Jahre ist es her, dass Karsten Dusse sich die Grundidee ausdachte. „Die Initialzündung war für mich die Frage: Wie kann man ein schlüssiges System wie eine Lotterie so verändern, dass es kein Glücksspiel ist? Was passiert, wenn ich den Losentscheid durch eine Willensentscheidung ersetze?“

          Eine erstaunliche Fernsehbiographie

          Er spielte für sich durch, was passiert, wenn alle Teilnehmer in einen Pott einzahlen und dann entscheiden, wer das gesamte Geld bekommt. „Das könnte spannend werden“, überlegte er, „wenn es nicht reicht, besser zu sein als die anderen, sondern man es schaffen muss, dass die anderen einen sympathisch finden.“ Er begann, „größer zu denken“: Spielt man das mit zehn Leuten abends am Tisch? Oder mit 10.000 Teilnehmern im Internet? Er schrieb die Idee für eine Online-Show auf und trug sie schließlich zu Jörg Grabosch, dem Chef der Produktionsfirma Brainpool. „Der hat die Idee sofort verstanden und gesagt: Das ist aber nicht nur fürs Internet, sondern auch fürs Fernsehen.“

          Ausgelassene Moderatoren: Jeannine Michaelsen und Elton

          Dusse ist vierzig Jahre alt und hat eine erstaunliche Fernsehbiographie. Sie beginnt vor knapp zwanzig Jahren mit einem Preisausschreiben, in dem er eine Reise nach Mallorca gewann - zu Hans Meiser, als Kabelträger bei dessen Talkshow. Eine Mitarbeiterin der Produktion erinnerte sich Jahre später an ihn und sein Jurastudium, als sie jemanden suchte, der bei Barbara Salesch einen Anwalt spielen könnte. Später arbeitete er unter anderem für „RTL Samstag Nacht“, „Schmidt & Pocher“ und „Anke Late Night“, beriet Verona Feldbusch, wurde Chefautor von „Ladykracher“ und gibt - immer noch - einen Rechtsexperten in der Vox-Nachmittags-Farce „Verklag mich doch“.

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