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Mike Pompeo und die Presse : Der hast du es aber gegeben

  • -Aktualisiert am

Ist auf schlechte Presse nicht gut zu sprechen: der amerikanische Außenminister Mike Pompeo Bild: Reuters

Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo bezichtigt eine Reporterin des Radiosenders NPR der Lüge. Eine andere Kollegin schließt sein Team von einer Pressereise aus. So geht Trumps Truppe mit Kritik um.

          3 Min.

          Die Geschichte des Interviews, das die Reporterin Mary Louise Kelly vom National Public Radio (NPR) mit dem amerikanischen Außenminister Mike Pompeo geführt hat, zeigt, wie tief der Graben zwischen der amerikanischen Presse und der Regierung ist. Da geht es nicht nur um Empfindlichkeiten.

          Pompeo hatte Kelly öffentlich als Lügnerin bezichtigt, nachdem er ein Interview mit ihr abgebrochen und sie abseits der Mikrofone offenbar wüst beschimpft hatte. Kurz darauf teilte Pompeos Team dem Radiosender mit, dass dessen Reporterin Michele Kelemen aus dem Pressetrupp, der Pompeo auf einer Reise nach Europa und Zentralasien begleitet, ausgeschlossen werde.

          Pompeo hatte das Interview abgebrochen, als Kelly beharrlich nach seiner fehlenden Rückendeckung für die 2019 von Trump gefeuerte Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, fragte. Yovanovitch hatte nach einer Diffamierungskampagne offenbar ihren Hut nehmen müssen, weil sie unlauteren Machenschaften zwischen Trumps Gefolgsleuten und ukrainischen Offiziellen im Weg stand.

          Bruch vermeintlicher Abmachungen

          Wie Mary Louise Kelly gegenüber ihren Redaktionskollegen sagte, überzog Pompeo sie mit Tiraden. Die Amerikaner interessierten sich nicht für die Ukraine, habe er gesagt und sie aufgefordert, das Land auf einer nicht markierten Weltkarte anzuzeigen. Das habe sie getan.

          Pompeo reagierte mit einer offiziellen Stellungnahme, in der er Kellys Verhalten als Bruch vermeintlicher Abmachungen wertete: Kelly habe ihn zweifach belogen, zunächst bei der Vereinbarung der Rahmenbedingungen des Interviews und mit der Veröffentlichung einer Auseinandersetzung, die „off the record“, also privater Natur, gewesen sei.

          Es gibt zwischen Journalisten und ihren Gesprächspartnern aus gutem, sachlichem Grund Absprachen. Vor dem Gespräch zwischen Pompeo und Kelly hatten die Presseleute des Außenministers tatsächlich die Beschränkung aufs Thema Iran gewünscht, wie die „Washington Post“ aus einer E-Mail-Korrespondenz zwischen Kelly und Pompeos Pressevertreterin Katie Martin zitierte. Aber Kelly antwortet in dieser Korrespondenz klar, sie wolle weitere Dinge ansprechen. „Auch die Ukraine. Und wer weiß, was die Nachrichtengötter uns noch über Nacht servieren. Ich lasse mich nie auf eine Vereinbarung ein, der zufolge etwas tabu ist.“ Als sich Pompeo während des NPR-Interviews erzürnte, allein dem Thema Iran zugestimmt zu haben, erwiderte Kelly denn auch, dass sie keine derartige Vereinbarung getroffen habe, wie man dem von NPR veröffentlichten Mitschnitt des Gesprächs entnehmen kann.

          Rundumschlag gegen die amerikanische Presse

          In seiner anschließenden Stellungnahme holte Pompeo zu einem Rundumschlag gegen die amerikanische Presse aus. Dies sei „ein weiteres Beispiel dafür, wie überdreht die Medien in ihrem Bestreben sind, Präsident Trump und seiner Regierung zu schaden. Es ist kein Wunder, dass die Amerikaner vielen in den Medien misstrauen, wenn diese so beständig die Verfolgung eigener Ziele und die Abwesenheit von Integrität demonstrieren.“ Am Schluss deutet Pompeo an, dass Kelly – eine politische Reporterin mit mehr als zwanzig Jahren Berufserfahrung – die Ukraine auf der Karte nicht gefunden und sich sogar im Kontinent vergriffen habe: „Es sollte erwähnt werden, dass Bangladesch NICHT die Ukraine ist.“ Ansonsten widersprach er ihrer Darstellung der Ereignisse nach dem Interview nicht.

          In den amerikanischen Medien, aber auch von politischer und akademischer Seite erntete der Außenminister Kopfschütteln. Fünf demokratische Senatoren kritisierten in einem Brief an Pompeo seine „unverantwortlichen Kommentare“; Thomas Wright von der Brookings Institution, einem politischen Thinktank, bemerkte auf Twitter, Pompeos mangelnde Qualifikation als Außenminister stehe hier „voll zur Schau“. Die „Washington Post“ sprach von „peinlichem“ Verhalten, der „Atlantic“ befand, Pompeos Versuch, Kelly zu verunglimpfen, sei lachhaft und weise ihn als „Feigling“ aus.

          Doch Pompeo machte weiter. Gegenüber Reportern der „Los Angeles Times“ stellte er die journalistische Integrität von NPR mit Verweis auf den Ploughshares-Skandal von 2016 in Frage. Der Ploughshares Fund, ein Befürworter des Atomabkommens mit Iran, hatte dem aus öffentlichen Mitteln und privaten Spenden finanzierten Sender eine hohe Zuwendung für die Berichterstattung zum Thema gemacht. NPR hatte in der Folge eine Untersuchung angestrengt, schwere Versäumnisse eingeräumt, die Berichterstattung sei davon aber nicht beeinflusst worden.

          Mary Louise Kelly kontrastierte in einem Gastbeitrag für die „New York Times“ ihr unergiebiges Gespräch mit dem amerikanischen Außenminister mit einem zwei Wochen zuvor geführten Interview mit seinem iranischen Kollegen Javad Zarif. „Journalisten“, schrieb Marie Louise Kelly, „setzen sich nicht mit Regierungsvertretern zum Gespräch zusammen, um politisch zu punkten.“ Vielmehr sei es ihre Aufgabe, stellvertretend für die Bürger harte Fragen zu stellen und die Politiker zur Rechenschaft zu ziehen. Präsident Trump wertet den Vorfall ganz anders. „I think you did a good job on her“, lobt er seinen Außenminister. Sinngemäß: „Der hast du es aber gegeben.“

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