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Midlife-Crisis-Komödie im ZDF : Haben Männer Hüften?

  • -Aktualisiert am

Max Grenzen (Felix Knopp) will mit Nancy (Helen Woigk) die Grenzen der Flexibilität ausloten. Bild: ZDF und Ivan Maly

Midlife-Crisis ist was für Machos? In „Hüftkreisen mit Nancy“ versucht ein arbeitslos gewordener Journalist und Vater mit Beckenbodenbewegungen dem Schicksal des modernen Mannes zu entgehen.

          Statistisch gemittelt, bleiben Max (Felix Knopp) noch 12.410 Tage bis zum Gang in die Grube. Durchschnittliche Tage, an denen der Fünfundvierzigjährige auf Parkbänken herumlungern, sich mit Pizza Hüftgold erarbeiten und regelmäßig die Todesanzeigen lesen könnte. Man(n) kann es schlechter treffen, findet Max zu Beginn der Midlife-Crisis-Komödie „Hüftkreisen mit Nancy“ (ZDF). Man kann in seinem Alter zum Beispiel schon den Löffel abgegeben haben. Ihm stattdessen stehen vermutlich noch viele Tage bevor, an denen der Rücken mal mehr, mal weniger schmerzen und Fred (Rudolf Kowalski), Schwiegervater, Arzt und wohlmeinender väterlicher Freund, solange mit Spritzen und orthopädischen Tipps zur Hand sein wird, bis ihn das Schicksal des modernen Mannes ereilt: Tod durch Langeweile. Oder aus Erschöpfung. Oder aus Mangel an Motivation, männlicher Selbstfürsorge, Rollenverständnis und Lebenssinn. Das ahnt Max und findet es ganz in Ordnung so. Wobei er sein Leben für durchaus gelungen hält.

          Etwa in der Schlafzimmerabteilung. Zweimal im Jahr Sex mit Ehefrau Tina (Rebecca Rudolph), am Geburtstag und zu Weihnachten, wer kann das nach zwanzig Jahren Beziehung schon vorweisen? Bis zur Redakteursrente könnte Max mit Artikeln wie „Das schönste Scheckenkaninchen 2019“ beim „Steglitzer Stadtanzeiger“, den roten Sitzball unter den Po geklemmt, seinen Ruf als „Absolvent der Henri Nannen“(-Journalistenschule) überleben. Tochter Marie (Ziva-Marie Faske) würde noch jahrelang im Einhornkostüm Papas Augenstern spielen und Sohn Niklas (Alessandro Schuster) in seiner nihilistischen Pubertätsphilosophenphase festhängen. Die schicke Schwiegermutter Carola (Ruth Reinecke) würde ein wenig nerven, aber das dauert nicht ewig. Cooler Typ eigentlich, dieser Max, findet Max.

          Im Park hat er eine Vision

          Bis er am Geburtstag entlassen wird und sich zur Neuorientierung gezwungen sieht. Im Park hat er eine Vision. Lichterscheinung Nancy (Helen Woigk) übt dort den Yoga-Krieger, turnt gelenkig und liebreizend ausgeglichen und führt ihn in eine heruntergekommene Muckibude, in der ein halbes Dutzend tätowierte Muskelpakete unter Anleitung des Bizepswunders Ronny (Tim Ricke) Langhanteln stemmt, solange Nancy nicht mit ihrem Gong zum Training mit Beckenbodenkreisen und Entengang ruft. Fortan hat Max ein zweites Zuhause, bewährt sich als netter Spargeltarzan zwischen höflichen Männern, die dem „Berg“ aus „Game of Thrones“ Konkurrenz machen könnten, und kommt langsam darauf, dass sein Leben doch nicht so weitergehen kann wie gedacht. Von der obligaten Ehekrise („Hörst du dir gelegentlich mal zu?“ „Keiner hört sich so gern reden wie ich“) zur Eheberatung zur LAT-Phase („Living Apart Together“) sind es nur wenige Momente, auch ein Familienhotel-Wochenende gerät ungewollt aus dem Ruder, das Rockmusik-Idol der Jugend entzaubert sich als Idiot, und einzig die neue Karriere als Musikjournalist beim Magazin-Chef Ben (Timur Bartels) mit seinen lässigen Vorstellungen von „Work-Life-Balance“ verspricht Zukunft.

          „Hüftkreisen mit Nancy“, nach einem Roman von Stefan Schwarz von Johann A. Bunners und Martin Dolejs geschrieben, ist in der ersten Hälfte eine recht vielversprechende Alltagsfamilienkomödie vom männlichen Standpunkt, aber der Eindruck wird im zweiten Teil zwiespältig. Ausgehend von der in Fitnessstudios und Tanzkursen erörterten Frage: „Haben Männer Hüften, und was bedeutet die Unmöglichkeit fließender männlicher Beckenbodenbewegung für das Leben?“, inszeniert Miko Zeuschner die von Felix Knopp überzeugend vorgeführte Krise vor allem mit Bildwitz (Kamera Konstantin Kröning, Maximilian Lips). Einiges geht dabei ansehnlich auf, wie Max’ optische Verjüngungsverwandlung von einem Langweiler in einen skateboardfahrenden, quinoamampfenden Hipster mit gelben Skinnyjeans und Beanie, der seine Kinder befremdet.

          Anderes aber, wie der Zauber, der von der hüftschwingenden Nancy ausgeht, hätte visuell unwiderstehlicher in Szene gesetzt werden können. Männer, die nach der Sauna über das Leben reden, hat man in einer finnischen Dokumentation über Männer, die in der Sauna über das Leben reden, überzeugender gesehen. Bis zum Schluss bleiben dennoch vereinzelt szenische Perlen wie der Rollatorentanz der alles andere als hüftsteifen Neunzigjährigen im Pflegeheim (Tinas Arbeitsstätte), in dem „DJ Tanzbär“ zur Feier der alten Tage den Insassen den „Jailhouse Rock“ auflegt.

          Hüftkreisen mit Nancy, 20.15 Uhr im ZDF

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