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Microsoft-Präsident Smith : Microsoftsprech

Brad Smith Bild: AP

Microsoft-Präsident Brad Smith spricht davon, dass Pressehäuser an den Gewinnen der Internetgiganten beteiligt werden müssen. Doch die Worte passen nicht zu den Taten.

          2 Min.

          Wenn man Brad Smith so zuhört, möchte man meinen, er arbeite für eine politische Initiative zur Rettung der Demokratie, für einen Thinktank der Bürgergesellschaft oder vielleicht auch für einen Presseverlag. So unmissverständlich äußert sich Smith zur Bedeutung einer vitalen, unabhängigen Presse für die Demokratie, zur Verantwortung der Digitalkonzerne für den Fortbestand der „vierten Gewalt“ und der Notwendigkeit, dass Plattform-Oligopolisten von ihren Milliardengewinnen etwas abgeben und Lizenzgebühren an jene zahlen, mit deren Inhalten sie Geld verdienen.

          Davon sprach Smith, als er sich in die Auseinandersetzung zwischen der australischen Regierung und Facebook einmischte, die sich angesichts eines neuen Mediengesetzes ergab, das Facebook zu Abgaben zwingt (mittlerweile in abgeschwächter Form). Und darüber redete Smith bei einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongress Anfang des vergangenen Monats. Die digitale Technologie, sagte er, verändere die Gesellschaft in allen Bereichen. Sie sorge für Fortschritt in den Vereinigten Staaten und weltweit, schaffe aber Probleme, die nach „neuen und dringenden Lösungen“ riefen, schließlich seien grundlegende und immerwährende Werte bedroht. Nichts sei fundamentaler als die Demokratie, und für diese seien nur wenige Institutionen von größerer Bedeutung als die freie Presse. Diese aber werde durch den Einfluss der Techkonzerne derart geschwächt, dass es gelte, zu handeln. Die Presse müsse selbstverständlich eigene Lösungen finden, um in der digitalen Welt Geld zu verdienen, doch sei es an Plattformkonzernen, ihre Gewinne zu teilen.

          Gerechtigkeit für alle?

          Smith sprach von „healthy revenue-sharing“, wie es sein eigenes Unternehmen betreibe. Vor allem aber seien die Gesetzgeber in den Vereinigten Staaten und anderswo gefragt, sich Australien zum Vorbild zu nehmen. Will heißen: eine gesetzliche Grundlage schaffen für alle, die in der Presse im Internet publizieren, und für alle, die auf Plattformen damit Umsatz machen.

          So sprach der Präsident von Microsoft, durchaus mit Pathos, setzte sich in scharfen Gegensatz zu Google und Facebook und legte dar, dass sein Konzern in dem von ihm beschriebenen Sinne handele und seit 2014 an Presseverlage, deren Inhalte etwa die Microsoft-News-App verbreite, mehr als eine Milliarde Dollar ausgeschüttet habe. Das klingt zu gut. Es klingt anders als das, was wir von Google oder Facebook hören, und scheint auf etwas anderes hinauszulaufen als die Privatverträge, die diese Konzerne mit Pressehäusern (auch mit dem Verlag der F.A.Z.) schließen. Gerechtigkeit für alle? Da müsste sich Smith nur noch zu dem ihm seit Monaten vorliegenden Angebot einer Verwertungsgesellschaft wie der Corint Media (vormals VG Media) verhalten, das ihm die kollektive Lizenzierung von Medieninhalten anträgt. Dann würden Taten und Worte zueinander passen. Oder gibt es da einen speziellen Microsoftsprech, der bedeutet, dass man Techkonzernbosse nicht beim Wort nehmen soll?

          Michael Hanfeld
          (miha.), Feuilleton

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