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Microsoft Flight Simulator : Aus der Luft gegriffen

  • -Aktualisiert am
Hier wurde die Strömung des Windes sichtbar gemacht.
Hier wurde die Strömung des Windes sichtbar gemacht. : Bild: Microsoft

Das Wetter beeinflusst wiederum die Simulation der Flugzeug-Aerodynamik: Aufsteigende Luft drückt Flugzeuge nach oben, starke Winde verursachen Turbulenzen, und Stürme können insbesondere kleine Flugzeuge schnell an ihre Belastungsgrenze bringen.

An dieser komplexen Simulation der Flugeigenschaften lasse sich auch der Fortschritt der Computertechnologie erkennen, sagt Sebastian Wloch. Er ist Chef des französischen Studios Asobo, das die Software des Spiels entwickelt. „Bisherige Flugsimulatoren haben Krafteinwirkungen auf Flugobjekte nur in einzelnen Punkten dargestellt, zum Beispiel an den Seiten, am Bug und Heck. Jetzt simulieren wir Tausende kleine Oberflächen des Flugzeugs.“ Möglich sei dies durch die mittlerweile ausgereifte Multi-Kern-Technologie. Komplexe Berechnungen können mit ihrer Hilfe auf mehrere Prozessorkerne verteilt werden. Vor 15 Jahren habe sich diese Technologie noch in den Kinderschuhen befunden, sagt Wloch. „Die Algorithmen haben sich seither nicht verändert, sondern die Art und Weise, wie sie berechnet werden.“

Auch die Verwendung der Streaming-Technologie, um Spielwelten von nie dagewesener Größe und Detailgenauigkeit von einem Server abzurufen, anstatt sie auf dem PC des Spielers zu installieren, ist ein Novum in der Gaming-Branche und bietet noch einen weiteren Vorteil: „Viele Updates können wir direkt an der Cloud vornehmen, ohne die Software erneuern zu müssen“, sagt Wloch. Für die Nutzer können so regelmäßige Patches stark reduziert werden.

Derzeit stoßen allerdings selbst leistungsstärkste Gaming-Computer bei Microsofts Flugsimulator an ihre Grenzen. Mit höchsten Grafikeinstellungen läuft das Spiel auf Highend-Systemen im Schnitt mit 30 bis 40 Bildern pro Sekunde – für ein rundum flüssiges Spielerlebnis sollten es etwa 60 Bilder pro Sekunde sein. Ist diese Simulation also eine Investition in die Zukunft?

Im Multiplayer-Modus können sich alle Spieler in einem bestimmten Umkreis sehen.
Im Multiplayer-Modus können sich alle Spieler in einem bestimmten Umkreis sehen. : Bild: Microsoft

„Wir sehen unser Projekt als Plattform“, sagt der leitende Software-Entwickler von Asobo, Martial Bossart. Man wolle mindestens zehn Jahre daran arbeiten. Vorstellbar sei, dass auch Aktivitäten hinzukommen, die der Luftfahrt fremd seien: „Wir könnten uns eine Simulation vorstellen, die alle Spieler online teilen und die eine Vielzahl an Aktivitäten umfasst, denen man auf der Erde nachgehen kann.“

Für Jörg Neumann ist auch denkbar, dass aus dem „Microsoft Flight Simulator“ in Zukunft ein Online-Rollenspiel für Luftverkehr entsteht: „Es gibt so viele Jobs, die mit der Branche verbunden sind: Mechaniker, Fluglotsen, Flughafenbetreiber. Ich bin mir recht sicher, dass man in Zukunft buchstäblich in die Simulation gehen kann, um einen virtuellen Beruf auszuüben.“ Und in das Spiel zu „gehen“ solle schon sehr bald möglich sein – denn noch in diesem Jahr wolle man es für VR-Equipment kompatibel machen.

Sonnenaufgang in der Antarktis: Zwischen den Wolken ist ein Stück vereister Boden zu sehen.
Sonnenaufgang in der Antarktis: Zwischen den Wolken ist ein Stück vereister Boden zu sehen. : Bild: Screenshot/Microsoft

Als Plattform dient der Flugsimulator überdies auch für „Creators“. Denn in das Spiel ist ein Marktplatz integriert, auf dem Hobby-Programmierer und auch professionelle Studios selbstkreierte Zusatzinhalte anbieten können. Laut Neumann hätten sich bereits 600 Unternehmen angemeldet. „Es sind schon über 80 neue Flughäfen entwickelt worden und Dutzende neue Flugzeugtypen“, sagt Neumann. „Auch für uns ist das super aufregend.“ Diese Inhalte können sich Spieler teils kostenfrei, teils entgeltlich herunterladen und so die Simulation nach ihren eigenen Vorstellungen umgestalten und verfeinern. Unter anderem könnten so auch viele der jetzt noch ungenauen 3D-Objekte ausdetailliert und Fehler in der Spielwelt behoben werden.

Es scheint möglich, dass Microsofts digitaler Zwilling der Erde eines Tages auch außerhalb der Spieleszene konkrete Anwendungen finden wird. Neumann sagt dazu: „Wir haben den Planeten. Unser Projekt könnte sicherlich in andere Dinge hineinwachsen.“

Der Microsoft Flight Simulator 2020 ist für Windows sowie die Xbox One erschienen und kostet je nach Edition zwischen 69,99 und 119,99 Euro.

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