https://www.faz.net/-gqz-9vhe1

Windows 7 : Wechselt das System!

Auslaufmodell: Microsoft stellt den Support für Windows 7 ein. Bild: Imago

Microsoft hat den Support für Windows 7 eingestellt. Um kein Sicherheitsrisiko einzugehen, müssen Nutzer jetzt aufrüsten. Warum und was man tun kann.

          2 Min.

          Es ist seit langem bekannt, trotzdem dürfte die bildschirmfüllende Nachricht mit dem Microsoft-Logo vor blauem Hintergrund manchen Nutzer eines mit Windows 7 (2009) betriebenen Rechners überrascht haben: „Der Support für ihren Windows-7-PC ist abgelaufen“ steht da. Allein sind diese Nutzer nicht. Das IT-Portal „ZDNet“ schätzt, dass sich weltweit noch mehrere hundert Millionen Nutzer auf Windows 7 verlassen. Zwar stellt das System nicht seine Funktion ein, doch hat Microsoft den Support für Privatkunden, das heißt die Bereitstellung von sogenannten Updates, die Sicherheitslücken schließen oder Systemabläufe verbessern sollen, am 14. Januar offiziell eingestellt.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Nun, heißt es weiter, sei der PC anfälliger für Schadsoftware, weil es keine „Sicherheitsupdates“, „Softwareupdates“ oder „technische Unterstützung“ mehr gebe (Firmenkunden haben gegen Gebühr bis 2023 Zeit umzurüsten). Microsoft empfiehlt, „auf Windows 10 umzusteigen, um zu vermeiden, dass Sie einen Service oder Support benötigen, der nicht mehr verfügbar ist“. Auch der hauseigene Browser „Internet Explorer“ ist betroffen. Am 9. Januar erklärte sich Google deshalb bereit, seinen Chrome-Browser für Windows 7 mindestens über einen Zeitraum von anderthalb Jahren weiter aktuell zu halten.

          „Never run a changing System“

          Zwar erklärt man bei Microsoft auch, man stelle den Support ein, um seine „Investitionen auf die Unterstützung neuerer Technologien und Anwendungen konzentrieren zu können“ – dahinter steht jedoch, dass sich die technische Unterstützung für das alte Betriebssystem schlicht nicht mehr lohnt. Zudem möchte man unverhohlen Kaufanreize schaffen. Microsoft spekuliert darauf, dass Nutzer sich gleich einen ganz neuen Windows-PC anschaffen: „Heutige Computer sind schneller und stärker und kommen mit bereits vorinstalliertem Windows 10.“

          Die Glaubensbekenntnisse vornehmlich deutscher und selbsternannter IT-Sachverständiger wechseln nun zwischen „Never change a running System“ und „Never run a changing System“. Doch sollte jeder Nutzer, der mit seinem Windows-7-Rechner im Internet unterwegs ist, sich ernsthaft über den Wechsel Gedanken machen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät zum Upgrade auf aktuelle Betriebssysteme: „Rechner mit Windows 7 sind ab heute offen wie Scheunentore für Schadsoftware“, heißt es auf dem Twitter-Account des BSI.

          Im Mai 2017 zeigte das „WannaCry“-Schadprogramm, was passieren kann, wenn ans Internet angeschlossene Computer mit Betriebssystemen laufen, die nicht auf dem aktuellsten Stand sind. Die „WannaCry“-Malware verschaffte sich Administratorenrechte und verschlüsselte Nutzerdaten (Dokumente, Fotos und Videos), die nur gegen eine Erpressungssumme in Form von Cryptowährung wieder entschlüsselt werden sollten. Normalerweise kümmerten sich Hacker nicht um auslaufende Betriebssysteme, weil eine Attacke nur eine schwindende Zahl von Nutzern erreicht, berichtet der „Guardian“ in seiner Online-IT-Kolumne „Ask Jack“. In diesem Fall aber wären besagte Hunderte Millionen betroffen.

          Also frei nach dem älteren Cato, ceterum censeo Malware esse delendam: beim Surfen im Netz ohnehin, aber möglichst bis zum Systemwechsel, die Finger von weniger vertrauenswürdigen und Schmuddelseiten lassen, keine E-Mail-Anhänge öffnen, deren Herkunft unklar ist, und eine Sicherung wichtiger und sensibler Daten auf externen Festplatten vornehmen. Wer im Umgang mit dem PC nicht allzu sicher ist, wird sich vermutlich nicht mit der Installation alternativer Betriebssysteme wie Linux oder Ubuntu auseinandersetzen wollen und ein Upgrade auf Windows 10 in Betracht ziehen. Leider ist das kostenlose Upgrade seit Juli 2016 nicht mehr möglich. Laut „ZDNet“ gibt es jedoch legale Wege, kostenlos an „Windows 10“ zu kommen. Wem das zu aufwendig oder unsicher ist, der kauft sich schlicht eine 10er-Version. Die ist – falls der Computer noch nicht allzu viele Jahre auf dem Buckel hat und sonst anständig läuft – mit 145 Euro (Windows 10 Home) immer noch günstiger als ein neuer Rechner.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein türkischer Militärkonvoi inmitten von Fahrzeugen flüchtender Zivilisten im Norden der Provinz Idlib.

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.