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Microsoft und Bobby Kotick : Als Clippy ein Teil von „Warcraft“ wurde

Übernahmen: Microsoft hat Activision Blizzard gekauft. Bild: Getty

380 Millionen Dollar und eine weiße Weste für Bobby Kotick: Wie Microsoft Activision Blizzard kaufte, ohne sich die Finger schmutzig zu machen.

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          Für die Videospielbranche kam die Nachricht des „Wall Street Journal“ einem Erdbeben gleich: Microsoft kauft das angeschlagene Unternehmen Activision Blizzard für knapp 69 Milliarden Dollar und mit diesem immer noch recht starke Videospielmarken wie „World of Warcraft“, „Diablo“ und „Call of Duty“. Microsoft wächst damit zum drittgrößten Videospieleunternehmen der Welt und dürfte damit nicht nur den japanischen Videospielegiganten Nintendo verdrängen, sondern auch dem aktuellen Marktführer Sony Interactive Entertainment gefährlich werden.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Auf Konsumentenseite gab es daraufhin neben einigem Erstaunen und noch mehr Endzeitphantasien das erwartbare Meme-Fest, das vor allem dem Microsoft-Word-Assistenten „Clippy“, der flexiblen und hilfsbereiten Büroklammer, zu einem Comeback in allerlei „Warcraft“-Kontexten verhalf.

          Sagt adieu: Robert A. Kotick
          Sagt adieu: Robert A. Kotick : Bild: Reuters

          Auf Unternehmerseite wurden derweil erst einmal ordentlich PR-Nebelkerzen gezündet, die vor allem den Umgang mit dem umstrittenen Activision-Blizzard-Chef Bobby Kotick verhüllten. Sein Unternehmen war zuletzt aufgrund einer angeblich toxischen Unternehmenskultur und Missbrauchsvorwürfen in die Kritik geraten, nachdem Mitarbeiter zahlreiche Fälle von sexueller Belästigung öffentlich gemacht hatten, die im Unternehmen auch auf höchster Ebene über Jahre unter den Teppich gekehrt worden seien. Im Juli 2021 hatte der Bundesstaat Kalifornien aus den genannten Gründen Anklage gegen das Unternehmen erhoben.

          In einer Pressemitteilung von Microsoft hieß es zunächst, Kotick werde an der Spitze von Activision Blizzard bleiben und unterstehe nach Abschluss des Geschäfts Phil Spencer, dem Chef der Gaming-Sparte bei Microsoft. Der Bloomberg-Journalist Jason Schreier veröffentlichte am Dienstag auf Twitter einen Ausschnitt aus einer Mail von Kotick an seine Mitarbeiter. Darin schreibt Kotick unter anderem: „Ich werde als unser CEO mit der gleichen Leidenschaft und Enthusiasmus weitermachen, die ich hatte, als ich diese unglaubliche Reise 1991 begann.“ Er könne, schreibt Kotick weiter, die „Leistung, die Aufmerksamkeit und die Hingabe“ seiner Mitarbeiter, „die Welt durch Freude und Spaß zu verbinden, gar nicht hoch genug einschätzen“. Und Microsoft-Chef Satya Nadella erklärte, er sei dankbar für Koticks „Führung und seinen Einsatz für einen echten kulturellen Wandel.

          Doch so recht wollte sich der Ballast, den Kotick mit sich herumschleppt, wohl nicht schönfärben lassen, denn noch am selben Tag wurde durch Recherchen des „Wall Street Journal“ bekannt, beide Seiten hätten sich längst geeinigt, dass Kotick das Unternehmen verlasse, sobald das Geschäft abgeschlossen ist. Laut der Bloomberg-Journalistin Dina Bass habe man sich bei Microsoft genau angesehen, in welch schwieriger Lage Activision Blizzard sich befinde, und sich gefragt, ob Kotick sich in dieser Situation nicht vielleicht auf ein Angebot einlasse, das er nicht ablehnen kann. Zunächst habe Kotick nicht verkaufen wollen, vielmehr habe er abgewartet, ob nicht vielleicht ein Konkurrent Microsoft überbiete. Angeblich habe er dabei sogar auf Facebook gehofft. Letztlich habe er aber den Vorstand nicht überzeugen können.

          Bobby Kotick versucht vor allem eines: den Eindruck zu vermeiden, hier müsse einer, der seit dreißig Jahren an der Spitze des Unternehmens steht, aufgrund des Umgangs mit Missbrauchsvorwürfen sein Lebenswerk verkaufen. Vom Onlineportal „GamesBeat“ danach gefragt, ob die Untersuchung wegen der Missbrauchsvorwürfe eine Rolle spielte, die ja immerhin den Aktienpreis seines Unternehmens beeinflusst habe, antwortete Kotick: Er glaube, dass die verschobenen Veröffentlichungstermine von Blockbuster-Spielen wie „Diablo 4“ und „Overwatch 2“ schuld seien und dass das neue „Call of Duty“ sich nicht sehr gut schlage. Selbstverständlich hätten auch die Missbrauchsvorwürfe den Preis beeinflusst, „aber Aktien gehen aus vielen unterschiedlichen Gründen hoch und runter“. Er glaube, dass die 95 Dollar je Aktie, die Microsoft nun zahlt, „ein großartiges Geschäft für unsere Aktionäre ist“.

          Und nicht nur für die: Verdienen würde der langjährige Activision-Chef daran vor allem selbst ganz gut. Seine etwa vier Millionen Activision-Blizzard-Aktien brächten ihm, wenn es bei den verabredeten 95 Dollar je Stück vonseiten Mi­crosoft bleibt, etwa 380 Millionen Dollar.

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