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Michael Ballack als TV-Experte : Er soll bitte auf England tippen

  • -Aktualisiert am

Kommentiert: Michael Ballack leiht seine Expertise jetzt Magenta TV. Bild: dpa

Seine Erklärungen sind überzeugend. Bei den Tipps, wer bei der EM weiterkommt, liegt Michael Ballack, der souveräne einstige „Capitano“, aber daneben. Daher haben wir für heute einen dringenden Wunsch.

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          Ein Fußballspiel ist ein Drama in neunzig Minuten, manchmal mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Es versetzt die Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle. Innerhalb weniger Minuten kann ein Spieler zum umjubelten oder tragischen Helden werden. Aber vor allem ist der Fußball ein zutiefst demokratischer Sport.

          Wer die Abseitsregel verstanden hat, kann mitreden. Viele Zuschauer haben früher selber gespielt, ob im Verein oder auf dem Bolzplatz in der Nachbarschaft. Das unterscheidet den Fußball von anderen Sportarten. Auf dem Spielfeld erlebte zudem jeder, was ein Talent von seinen Mitspielern unterscheidet: Es spielte mit einem Katz und Maus. Zu den Katzen gehörte in seiner Jugend der frühere Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, Michael Ballack.

          Allerdings ist der Ausgang eines Fußballspiels nicht berechenbar. Hätte der Österreicher Marko Arnautovic im Achtelfinalspiel gegen Italien nicht mit einer Knielänge im Abseits gestanden, wäre die Sensation perfekt gewesen. Deshalb ist ein früherer Weltstar wie Ballack auch nicht klüger als wir, wenn er den Ausgang eines Spiels tippen soll. Am Sonntag setzte er als Experte bei Magenta TV in den Achtelfinals auf die Niederlande und Portugal. Es gewannen die Tschechen und die Belgier. Ein Trost für alle, die beim Tippspiel am Tabellenende liegen.

          Fußball : Ballack beendet seine Fußballkarriere

          An der Prognosefähigkeit kann es nicht liegen, dass jeder Sender einen früheren Fußballstar im Moderatorenteam hat. Diese unterschätzen zumeist die Unberechenbarkeit des Spiels, weil sie von bisherigen Ergebnissen auf die nächste Partie schließen. Wenn die Holländer souverän durch die Gruppenphase kommen, ist mit spielerischen Unzulänglichkeiten im Achtelfinale nicht unbedingt zu rechnen. Aber es kann uns halt niemand wie ein früherer Nationalspieler so schön erklären, warum es anders gekommen ist als gedacht.

          Michael Ballack hat als einstiger „Capitano“ alle Unwägbarkeiten des Fußballs erlebt. Ihm unterlief in einem entscheidenden Bundesligaspiel um die Meisterschaft ein Eigentor. In einer Saison hatte er mit seinem damaligen Verein Bayer Leverkusen die Chance, drei Wettbewerbe zu gewinnen, und konnte sie nicht nutzen. Tragisch war die Gelbe Karte im Halbfinale der Fußball-WM von 2002, weshalb er das Endspiel verpasste. Das verschafft Ballack jene Authentizität, die nur ein Fußballer hat, wenn er das Spiel seiner Nachfolger kommentiert.

          „Kein Kind von Traurigkeit“

          Er sieht manches gelassener als andere. So kommentierte er ein Foul des portugiesischen Abwehrspielers Pepe gegen Belgien mit den Worten, dieser sei nun mal „kein Kind von Traurigkeit“. In dem immer mehr von taktischen Zwängen bestimmten Fußball ist das eine fast anarchistische Aussage. Ballack diagnostiziert mit der zunehmenden Bedeutung von Spielsystemen eine veränderte Rolle der Stars, die sich immer mehr ins Mannschaftsgefüge einordnen müssten. Deshalb seien „Mannschaften mit Teamgeist in der Lage, Mannschaften mit Topstars zu schlagen“. Das meinte er über die Dänen, die nach dem tragischen Ausfall eines ihrer Stars mit großer Unbekümmertheit auftreten.

          Aber es ist nicht auszuschließen, dass in einem der nächsten Spiele dann auch für Ballack wieder der Topstar den Unterschied macht. Insofern ändern sich auch die Kommentare mit dem Turnierverlauf. Es sind Momentaufnahmen, sie entsprechen der Unberechenbarkeit des Fußballs. Wir werden heute in London erleben, ob die Analysen der Experten vor dem Spiel noch nach dem Spiel Bestand haben. Ob der Teamgeist den Unterschied macht, wissen wir nicht. Es könnte auch ein Topstar über Sieg und Niederlage entscheiden. Der Fußball ist schließlich ein Drama, dessen Ausgang niemand kennt. Für uns Zuschauer garantiert das beste Unterhaltung. Allerdings sollte Michael Ballack vielleicht besser auf eine Niederlage der Deutschen tippen. Das könnte man dann als gutes Omen für den Spielausgang werten.

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