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Merkel-Porträt im ZDF : Die Leute haben noch nicht genug von ihr

Bild: dpa

In dem Film „Macht Mensch Merkel“, der heute Abend im ZDF zu sehen ist, kommen zahlreiche Kritiker zu Wort. Je mehr sie hadern, desto besser dürfte sich die Bundeskanzlerin fühlen.

          Die hintergründigsten Hinweise zur Person und zum politischen Wirken der Bundeskanzlerin in dem Film, den das ZDF heute Abend unter dem Titel „Macht Mensch Merkel“ zeigt, kommen von jemandem, von dem man das nicht unbedingt erwartet hätte, dessen politische Ansichten sie sicherlich nur in einem geringen Umfang teilt, den aber mehr als viele der anderen, die hier zu Wort kommen, etwas mit ihrer Biographie verbindet. Und den sie, schaut man auf die Flexibilität ihrer politischen Entscheidungen, vielleicht ganz gut gebrauchen könnte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Aber leider ist Gregor Gysi nun einmal in der Linkspartei. Und für eine Koalition zwischen Union und Linkspartei dürfte es bei der Bundestagswahl denn doch nicht reichen. Gleichwohl verfügt Gysi über das passende realpolitische Grinsen, wenn er die Politik der Bundeskanzlerin und deren handwerkliche Qualitäten einordnen soll. „Wenn Personen sie stören, kann sie sehr gut durchgreifen“, sagt er. Und sie könne zuverlässig wie zufällig lächeln. Zufällig genau dann, wenn es darum geht, den Eindruck wissender Sicherheit zu vermitteln. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, sie - neben der Kritik an ihrer wendigen Politik - wegen ihrer Vita anzugehen, lässt Gysi das nun gar nicht gelten. Bei der FDJ Sekretärin für Agitation gewesen zu sein, das taugt nicht zum Skandal (“Blödsinn“), da solle man die Kirche im Dorf lassen.

          Die CDU werde nicht mehr gestaltet, nur noch gemanaget

          Angela Merkel wird vieles vorgeworfen, so auch in dieser als Porträt angelegten Dokumentation von Bettina Schausten und Mathis Feldhoff. Ihr fehle es an politischer Vision, Mission, dem großen Plan, der Linie, dem Bewusstsein für das Wertegerüst ihrer Partei oder - wie es die Grüne Katrin Göring-Eckardt in der von ihrer Partei stets ausgeatmeten vermeintlichen moralischen Überlegenheit formuliert - dem Wissen darum, wie es den einfachen, normalen Menschen geht.

          Gleichwohl ist Angela Merkel beliebt, sehr viel beliebter als ihr Herausforderer Peer Steinbrück, der einmal ganz kurz mit der Einschätzung zu Wort kommt, sie habe eine „einseitige Vorstellung“ von den Ursachen der europäischen Krise. Gleichwohl übersteht sie die Angriffe des politischen Gegners (sogar im NSA-Skandal), des Koalitionspartners FDP und aus den eigenen Reihen. Die CDU habe an Profil eingebüßt, sagt der ehemalige CDU-Landesvorsitzende und Minister Jörg Schönbohm. Die Partei sehne sich danach, geführt zu werden, es werde nicht mehr gestaltet, sondern nur noch gemanagt, alles sei auf den Machterhalt hin ausgerichtet. „Wenn sie nicht mehr Bundeskanzlerin ist, dann wird die CDU am Boden liegen. Und das werfe ich ihr vor“, sagt Schönbohm. Wolfgang Schäuble widerspricht dem pflichtschuldigst: Merkels Kritiker hätten das „Problem, dass sie zu sehr nach rückwärts schauen“.

          Merkel als bequeme Ausrede

          Das ZDF hat daraus gleich eine Pressemitteilung gemacht: „CDU-Granden streiten über Merkels Parteikurs“. Doch das ist matte PR für diesen Film und eine grobe Irreführung. Für einen richtigen Streit fehlt der innerparteilichen Opposition die Kraft, ja man wüsste nicht einmal, wer die Kritiker und was ein irgendwie konservativ gearteter Kurs sein sollte, auf den sich die Union verpflichten ließe. Das liegt auch an Angela Merkel, aber nicht nur. Und sieht man auf die Liste der CDU-Politiker, die an ihr angeblich gescheitert sind, hält sich das Bedauern in Grenzen, finden sich auf dieser doch auch die Namen Karl-Theodor zu Guttenberg, Jörg Mappus und Christian Wulff.

          Wenn die CDU nach einer verlorenen Bundestagswahl - von der die wenigsten annehmen, dass dies die Wahl am 22. September ist -, am Boden liegt, dann hätten viele etwas dagegen tun können. Die allmächtige „Mutti“ ist auch eine bequeme Ausrede, nichts zu tun. In den Bundesländern hätte die CDU nach reichlich verlorenen Wahlen mit der Selbstverortung längst anfangen müssen.

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