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Merkel bei Maischberger : Leben ist mehr als Staat

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Souveräner Auftritt: Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Sandra Maischberger Bild: ddp

„60 Jahre Deutschland - Sind die besten Jahre vorbei?“ fragte Sandra Maischberger am Dienstagabend - und hatte die Kanzlerin ins Studio geladen. Diese präsentierte sich souverän, erzählte von ihrer Jugend in der DDR - und machte klar: Auch in diesem Unrechtsstaat existierte ein Refugium des Privaten.

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          Bevor man zu spekulieren beginnt, was sich die Bundeskanzlerin davon verspricht, auf dem Jahrmarkt der Meinungen wohlgemut vor einem Platzhirschgehege aufzulaufen - neben dem stets eine Spur zu gut gelaunten Ego-Shooter Gregor Gysi waren am gestrigen Abend die Herren Privatöffentlichkeit und Vergangenheitsbewirtschaftung bei Sandra Maischberger zu Gast, und zwar in Gestalt von „Cicero“-Herausgeber Wolfram Weimer sowie dem auch nicht eben auratisch bescheidenen Totalerklärer Guido Knopp -, bevor man also zu mutmaßen beginnt, die natürlich gesondert und vorab interviewte Kanzlerin habe sich durch Abtreten der Hauptsendezeit an vier robuste Besserwisser (der mit zielloser Nörgelei zwischenfunkende Schauspieler Uwe Steimle war auch noch da) vielleicht unter Wert verkauft, bleibt doch festzuhalten: Angela Merkel konnte gar nicht anders.

          Man darf es beinahe Erpressung nennen. Wenn eine der beliebtesten deutschen Talkshows linkisch die Frage stellt: „60 Jahre Deutschland: Sind die besten Jahre vorbei?“, dann muss die erste Dienerin des Landes einfach zur Stelle sein und mit aller Wucht und Würde ihres Amtes jedem dusseligen Defätismus wie jeder selbstverliebten Schönfärberei entgegentreten. Eben das hat sie getan, und zwar mit so viel Bravour und Raffinesse, dass die anschließende Diskussion nicht nur so luftleer wirkte, wie man das gewohnt ist, sondern - auch wenn das jetzt Unsinn sein mag - noch luftleerer.

          Merkel: „Von der DDR konnte man überhaupt nichts lernen“

          Mit Bravour: Ohne jeden Anflug von Überheblichkeit und ohne jeden Ausrutscher meisterte die Bundeskanzlerin dieses Interview, das die großen Jubiläen des Jahres 2009 - Mauerfall und Bundesrepublik - nur zum Anlass nahm, um dann vor dem Hintergrund zumindest konstatierter krisenbedingter Systemzweifel der Deutschen immer wieder auf die Frage zurückzukommen, ob man von der DDR nicht doch etwas hätte lernen können. Von diesem System, so die deutliche Antwort der Kanzlerin, könne man allerdings „überhaupt nichts lernen“. Die Lüge sei in der DDR „immer auf der Tagesordnung“ gewesen, „wenn es um den Machtanspruch der Arbeiterklasse ging“.

          „Man konnte vom System DDR nichts lernen”: Frau Merkel im Gespräch mit Moderatorin Maischberger

          Und doch, so schränkte die CDU-Vorsitzende ein, habe es innerhalb dieses Unrechtssystems auch Akte gegeben, die rechtens waren: Hochzeiten beispielsweise mussten nach der Wiedervereinigung nicht neu geschlossen werden. Zudem dürfe nicht vergessen werden, dass auch in diesem Land, das seine Bürger einander bespitzeln ließ, ein Refugium des Privaten existierte: „Leben besteht Gott sei Dank nicht nur aus Staat.“ Mit der allgegenwärtigen Überwachung habe man eben gelebt und dabei einen gewissen Zynismus entwickelt, „um sich davon nicht kirre machen zu lassen“.

          Raffiniert: Angela Merkel argumentierte über weite Strecken nicht abstrakt politisch, sondern persönlich, erzählte noch einmal, wie sie mit sieben Jahren nach einer ausgiebigen Urlaubsreise nach Bayern den Mauerbau erlebte („Man hat gedacht, vielleicht wird irgendwie Berlin abgetrennt“) und wie achtundzwanzig Jahre später den Fall derselben: „Ich bin in die Sauna gegangen, wie ich das jeden Donnerstag Abend getan habe mit einer Freundin, und als ich zurückkam, war die Bornholmer Straße, der Grenzübergang, offen - und da bin ich dann rüber.“

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