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„Men’s Health“ wird Vaterblatt : Alles für den Muskeldaddy

  • -Aktualisiert am

Hier trifft Dad Bod auf Babyspeck. Im neuen „Men’s Health“-Ableger allerdings sollen süße Kleinkindfotos fehlen. Bild: Picture-Alliance

Die Männerzeitschrift „Men’s Health“ plant einen Ableger für Väter. Und gleich in der ersten Ausgabe eine Kreißsaal-Reportage. Für echte Kerle.

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          Bis jetzt kannten wir „Men’s Health“ nur als das Magazin, in dem offensichtlich frisch Photoshop entsprungene Adoniskörper dem Durchschnittsmann mit sportlichen - oder wohl eher: ästhetischen - Ambitionen vermeintlich realisierbare Tipps auf dem Weg zur Posterboyfigur geben wollten. Was gibt es in dem Blatt aus dem Hause Rodale-Motor-Presse nicht alles zu entdecken: „Gesünder in 60 Sekunden“, „Tools gegen Körperhaare“ und Work-out für den Waschbrettbauch - der ganze Wahnsinn, mit dem sich früher nur körperfixierte Frauen terrorisiert haben, hier als geballte Virilitätsvanitas. Das mag man reichlich unmännlich finden. Auf die Idee jedenfalls, dass „Men’s Health“ „der einzige Männertitel“ sei, der das Thema „Vaterschaft glaubhaft vermitteln kann“, wären wir nie gekommen.

          Aber genau so sieht das Wolfgang Melcher, der Herausgeber des Magazins, und kündigt an, dass im Herbst der Ableger „Men’s Health Dad“ an den Start gehen soll. Die Zielgruppe seien - Überraschung - junge Väter. Aber was für welche? Diejenigen, die ihr Vatersein schon damit beginnen, „wir sind schwanger“ zu sagen und solidarisch mit der Partnerin zuzulegen, nur um post partum wie sie (Anleitung gibt „Women’s Health“) am After-Baby-Body arbeiten zu müssen?

          Sit-ups mit Säugling wären wohl das Work-out der Wahl für die erste Ausgabe; statt „Die besten Snacks für Kraftsportler“ könnte es „Vier Turbo-Snacks gegen Schlafmangel“ geben und in der Testrubrik Kinderwagen, die beim Joggen nicht aus der Kurve fliegen - oder wenigstens als Accessoire ordentlich etwas hermachen. Stattdessen ist für die erste Nummer eine Kreißsaal-Reportage geplant. Aber keine süßen Babyfotos. Wenn diese Form von „Lebensgefühls-Journalismus“ mal nicht abschreckt. Über den Schock helfen unter Umständen auch nicht mehr das annoncierte dicke Papier und das lackierte Hochglanzcover hinweg.

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          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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