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Meinungsfreiheit : „Schwarzbuch WWF“ bleibt lieferbar

Der Panda ist das Logo des „grünen Empires“, wie Huismann den WWF nennt. Bild: dpa

Dem WWF ist es vor dem Kölner Landgericht nicht gelungen, Winfried Huismanns Enthüllungs-Buch zu verbieten. Die Kritik am „grünen Empire“ ist weiter erhältlich. Die endgültige Entscheidung wurde vertagt.

          Das „Schwarzbuch WWF“ von Wilfried Huismann bleibt weiterhin lieferbar und darf uneingeschränkt verkauft werden. Das ist das Ergebnis einer Verhandlung, die heute vor dem Kölner Landgericht über die Bühne ging. Eine endgültige Entscheidung im Rechtsstreit zwischen Verlag und WWF ist damit allerdings erneut vertagt. Immerhin ein Ergebnis des Verhandlungsmarathons gibt es: Eine Passage aus dem Buch muss entfernt werden – aber erst in einer Nachauflage. Der nächste Verhandlungstag ist der 20. Juli, bis dahin sollen sich die Parteien auf eine einvernehmliche Fassung einigen. Falls dies nicht gelingt, wird das Gericht am 20. Juli ein Urteil verkünden.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Das Landgericht Köln hatte an diesem Freitag vierzehn Unterlassungsbegehren zu prüfen, die die Berliner Kanzlei Schertz Bergmann als Vertreter des WWF Deutschland gegen das Buch vorgebrachte hatte. Wilfried Huismann hat in seinem am 23. April im Gütersloher Verlagshaus, einer Tochter von Random House Deutschland, erschienenen Buch „Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda“ das „grüne Empire“ World Wildlife Fund heftig attackiert.

          Autor Wilfried Huismann

          Unter anderem wirft er der Organisation Kungelei mit großen Firmen aus der Nahrungsmittelindustrie vor. So beschreibt er etwa wie der WWF mit dem Gentechnik-Produzenten Monsanto und mit dem Agrarproduzenten Wilmar kooperiert, indem er eine Auszeichnung für „nachhaltig produzierte“ Sojapflanzen verleihe. Dass für den Anbau von Soja riesige Flächen Regenwaldes abgeholzt würden, spiele dabei keine Rolle. Die Konzerne wiederum könnten sich mit dem WWF-Siegel einen grünen Anstrich geben. Während der WWF auf der Nordhalbkugel gute Arbeit leiste, arbeite er auf der Südhalbkugel „mit den größten Umweltzerstörern der Erde“ zusammen.

          Huismann beklagt auch die intransparente Organisationsstruktur und Finanzierung des WWF. So fördere der „Club der 1001“ die Stiftung, nenne aber keine Mitgliedernamen. Wenig förderlich für das Image auch der Umstand, dass sich das mutmaßliche „Club“-Mitglied Juan Carlos unlängst bei der Elefantenjagd in Botswana die Hüfte brach. Der spanische König ist Ehrenpräsident des WWF. Der WWF Deutschland wies die in Huismanns Buch erhobenen Anschuldigungen zurück: Man habe nichts gegen kritische Berichterstattung, wohl aber etwas gegen falsche Tatsachenbehauptungen.

          Schon Ende April hatte die Berliner Anwaltskanzlei Schertz Bergmann die großen Zwischenbuchhändler angeschrieben und vor der Verbreitung des Buches gewarnt. Diese stoppten daraufhin den Verkauf des Buches, das fortan nur noch direkt beim Verlag zu bestellen war. Auch Internethändler wie Amazon, Libri und Weltbild nahmen das Buch aus dem Verkauf. Random-House-Justitiar Rainer Dresen sagte gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Unser Verlagsverständnis von Pluralismus und Meinungsfreiheit sieht jedenfalls anders aus.“

          Der in Bremen lebende Wilfried Huismann, Jahrgang 1951, hat dreimal den Grimme-Peis erhalten. Der Fernsehjournalist, Dokumentarfilmer und Sachbuch-Autor , sprach der von einer „Zermürbungsstrategie“, die der WWF mit „Unterlassungsbegehren am laufenden Band“ betreibe.

          Das Gerichtsverfahren dürfte indes genügend Aufmerksamkeit erzeugt haben, um den nun wieder ungehindert möglichen Buchverkauf anzukurbeln.

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