https://www.faz.net/-gqz-82jjn

ARD-Film „Mein Sohn Helen“ : Das ist keine Phase

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche: Aus Finn wird Helen. Bild: ARD Degeto/Britta Krehl

Wie ist es möglich, sich zu verändern und gleichzeitig alles so zu lassen, wie es war? Der Film „Mein Sohn Helen“ nähert sich respektvoll dem Thema Geschlecht und sexuelle Identität.

          „Ich bin Helen, Finn gibt es nicht mehr.“ Tobias Wilke wird durch das Coming-out seines sechzehnjährigen Sohnes, der sich als Frau fühlt und eine geschlechtsangleichende Behandlung anstrebt, völlig überrascht. Er kann sich nicht vorstellen, von nun an Vater einer Tochter zu sein, und versucht sich einzureden: „Das ist nur eine Phase.“

          Bald kann aber auch der Vater nicht mehr übersehen, dass es für Helen keinen Weg zurück mehr gibt. Seine ziellos gewordene Wut wandelt sich in anrührende Trauer über den verlorenen Sohn, dem er eines Abends sagt: „Ich kann den Finn nicht einfach so gehen lassen, ich vermisse meinen Sohn.“ Es ist für Wilke, dessen Frau bei einem Unfall gestorben ist, ein zweiter schwerer Verlust, der sein bisheriges Leben grundsätzlich in Frage stellt. Allerdings hat er, als es ihm schließlich gelingt, sich auf Helen und ihren Weg einzulassen, eine Tochter gewonnen.

          Kein experimentierender Problemfilm

          Gregor Schnitzler erzählt „Mein Sohn Helen“ als Geschichte unausweichlicher Veränderungen. Er zeigt die unsicheren, verzweifelten, manchmal aber auch aggressiven Reaktionen derer darauf, die gern alles so belassen möchten, wie es immer schon war. Aber selbst die, die sich an Helens Seite stellen, stoßen irgendwann an ihre Grenzen. Die empathische Vertrauenslehrerin, die es als ihre Aufgabe begreift, entschieden für Helen Partei zu ergreifen, verwehrt ihr dennoch den Zugang in die Mädchenumkleide. Als Helen sich daraufhin wie früher bei den Jungs umzieht, bedrohen und demütigen sie die Jugendlichen, die mit „Finn“ zusammen in der Fußballmannschaft gespielt haben; sie zwingen sie, sich auszuziehen. Auch Helen selbst erträgt die Konsequenzen ihres Lebens als Frau nicht immer und nimmt, angesichts einer vom Jugendamt erwogenen Einweisung in die Jugendpsychiatrie, kurzzeitig wieder die Rolle des Finn ein: „Ich will einfach nur, dass alles wieder so wird, wie es war.“ Der Versuch, in die alte Welt zurückzukehren, endet beinahe in der Katastrophe.

          „Mein Sohn Helen“ nähert sich dem schwierigen Thema Geschlecht und sexuelle Identität respektvoll und handwerklich konservativ. Die Drehbuchautorin Sarah Schnier, die Kamerafrau Jutta Pohlmann und der Regisseur Schnitzler haben keinen formal experimentierenden Problemfilm produziert. Sieht man von ein paar hölzern wirkenden didaktischen Einsprengseln ab, die versuchen, das Prozedere des Transsexuellengesetzes zu erklären und einige Hintergrundinformationen über Transgender zu vermitteln, ist es dem Team gelungen, einen unterhaltsamen, streckenweise ziemlich komischen, in einigen Szenen sehr bitteren Film zu drehen, der auch vereinzelte misslungene Szenen verkraftet. Heino Ferch gibt dem spröden, leicht verschlossen wirkenden Vater klare Konturen. Jannik Schümann gelingt es, eine Jugendliche zu zeigen, die verunsichert, aber auch entschlossen ein neues Leben beginnt. Hervor sticht auch Zoe Moore, die das chaotische, etwas ruppige Partygirl Louisa spielt, die Helen als Erste entschieden zur Seite springt.

          Weitere Themen

          „Bumblebee“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Bumblebee“

          Am 20. Dezember kommt der Prequel des 2007 Transformers „Bumblebee“ in die deutschen Kinos. Im Mittelpunkt steht der gleichnamige Transformers-Charakter.

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Donald Trump

          Wegen illegaler Geschäfte : Trumps Stiftung wird aufgelöst

          Die New Yorker Staatsanwaltschaft findet klare Worte für die Privatstiftung des Präsidenten: Sie war „wenig mehr als ein Scheckbuch, um unternehmerischen und politischen Interessen von Herrn Trump zu dienen“.

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z.-Interview : Merz traut sich ein Ministeramt zu

          Der unterlegene Kandidat für den CDU-Vorsitz ist bereit, „mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“. Ein exklusives Gespräch mit Friedrich Merz über seine Ambitionen, seine Rede auf dem Parteitag und über Gerüchte, mit denen er nichts anfangen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.