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Mehr Reichweite : „Times of India“ kapert Twitterkonten

Übernahme der Twitter-Konten: „Times of India“ möchte Mitarbeiter, die sich der Zeitung ganz verschreiben. Bild: AFP

Erst kam die Aufforderung an die Redakteure, sich privat bei Twitter zu engagieren. Dann der Umschwung: Die Accounts kommen unter das Dach der Zeitung. Beim Steigern der Reichweite ist die „Times of India“ nicht zimperlich.

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          Wie wäre es, wenn ein Zeitungsverlag die privaten Facebook-Profile und Twitter-Accounts seiner Angestellten kontrollieren würde? Und wenn dieser Zeitungsverlag den Accounts bewusst den Anschein ließe, hier posteten weiterhin Menschen in ihrem persönlichen Interesse? Was nach einer Hacker-Attacke oder Tarnkappen-Strategie klingt, erleben gerade Hunderte Mitarbeiter von Indiens größter Tageszeitung „The Times of India“ und andere Angestellte der Times-Gruppe, die den Zeitschriftenmarkt auf dem Subkontinent beherrscht. Sie erhielten nämlich, wie „Quartz India“ berichtete, Post von ihrem Arbeitgeber: Erst einmal die Aufforderung, sich privat bei Twitter und Co. zu engagieren, das sei im Sinne der Firma. Und dann die Anfrage, doch bitte beiliegenden Vertrag zu unterschreiben.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          In dem stand: Mitarbeiter seien von nun an gehalten, dem Verlag alle privaten Accounts in sozialen Netzwerken zu melden. Auf diesen sollten sie in Zukunft keine eigenen Geschichten oder Links mehr posten – was eine bemerkenswerte Verschärfung der Strategie ist, mit der „The Hindu“, eine andere indische Zeitung, die privaten Online-Botschaften seiner Angestellten steuert. Während man mit einem Job bei „The Hindu“ in eigener Sache keine Links der Konkurrenz mehr ins Netz stellen darf, will die Times-Gruppe mehr: nämlich die privaten Accounts ihrer Mitarbeiter gleich in firmeneigene umwandeln.

          Unterschreiben die Angestellten den Vertrag, soll der Zeitungsverlag vollen Zugriff auf die Accounts bekommen, inklusive Passwort, Nutzername und zugehöriger E-Mail-Adresse, und alle Posts sollen zu geistigem Eigentum des Verlags werden. Die digitalen Pinnwände von Journalisten verwandelten sich in Plattformen mit Videos, Artikeln, Bildern und Links der Zeitung, für die sie arbeiten. So bringt man sein Personal auf Linie. Übrigens soll diese Regelung auch dann noch gelten, wenn das Arbeitsverhältnis zum Mitarbeiter längst aufgelöst ist. Wie die Sache ausgeht, ist noch nicht ausgemacht. Klar ist aber schon: Sich voll und ganz ihrer Firma zu verschreiben, haben sich die Angestellten sicher anders vorgestellt.

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