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Frankreichs Medienschwindler : Massenmörder sind seine Spezialität

Siebenundsiebzig Interviews will Stéphane Bourgoin mit Serienmördern geführt haben. Daran kann etwas nicht stimmen. Bild: ddp/H. Assouline/Opale/Leemage

Seit Jahrzehnten narrt ein Hochstapler mit Schauermärchen von Killern Frankreichs Medien. Nun hat ein erfundenes Interview mit dem Mörder von Sharon Tate zu seiner Entlarvung geführt.

          7 Min.

          Das Verbrechen, das nach einem halben Jahrhundert noch immer in der kollektiven Erinnerung präsent ist, fand am 9. August statt – 1969, im Sommer der Hippies und der Mondlandung. Mit sechzehn Messerstichen töteten Angehörige von Charles Mansons „Family“ die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate. „Pig“ schmierten sie mit ihrem Blut auf die Mauern. Sharon Tate war die Gattin von Roman Polanski, für den sie im „Tanz der Vampire“ vor der Kamera stand. 1968 hatte Polanski den Horrorfilm „Rosemaries Baby“ mit Mia Farrow gedreht. Er erlaubte es der Illustrierten „Life“, am Ort des Grauens zu fotografieren. Im Sommerloch des vergangenen Jahres, als weit und breit kein Coronavirus für Panik und Schrecken sorgte, erinnerte sich der französische Nachrichtensender „CNews“ des Verbrechens. Eine Sondersendung zum fünfzigsten Todestag des Ritualmords versprach trotz Hitzewelle hohe Einschaltquoten.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Wenn es in Frankreich um „Serial Killers“ geht, ist Stéphane Bourgoin zur Stelle. Wie eine makabre Trophäe hielt er ein T-Shirt mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ in die Kamera. Es erinnerte an das Blutbad in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ – aufgedruckt war aber das Konterfei von Charles „Charlie“ Manson. Von dem er behauptete, er habe ihn eine Stunde lang im Gefängnis interviewt – wie vor Manson bereits 77 Massenmörder. Sie sind seine Spezialität. Dutzende von Büchern hat er ihnen gewidmet – eines erschien vor dreißig Jahren auch bei Rowohlt. Grasset in Paris führt zehn lieferbare Titel: „Das Schwarzbuch der Serial Killers“, „999 Jahre Massenmörder“, „Sex-Beast“.

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