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Medienkritik in der Schweiz : Eidgenössischer Diplom-Journalist?

Wird in der Schweiz bald genauer hingesehen? Die Eidgenössische Medienkommission hat ein paar Vorschläge veröffentlicht, wie der Journalismus die Krise überwindet. Bild: dapd

Gütesiegel für die Medien in der Schweiz: Die Eidgenössische Medienkommission hat einen Bericht über die Krise der Presse veröffentlicht, in dem sie Vorschläge zu deren Überwindung präsentiert.

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          „Wo ist die Medienkritik? Die Reflexion über Medienqualität ist erschreckend unterentwickelt“: Otfried Jarren setzte seinen Aufschrei in einem Interview mit dem Branchendienst „persönlich“ ab. Der emeritierte Kommunikationswissenschaftler wirkt als Präsident der Eidgenössischen Medienkommission (Emek), welche die Regierung berät. Ihr gehören sehr unterschiedliche Persönlichkeiten an, eine ehemalige Leiterin der Schweizer Journalistenschule und Markus Spillmann, bis 2014 Chefredakteur der NZZ und inzwischen Leiter des Presserats. Sie haben soeben einen Bericht über die Krise der Presse veröffentlicht, in dem sie Vorschläge zu deren Überwindung präsentieren: „Mehr Rückhalt für den Journalismus“. Das Beste an der Studie ist das Echo, das sie auslöst.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          „Die Branche ist verwöhnt, machtorientiert und sie scheut den Markt“, sagt Otfried Jarren. Ob ein derartiger Rundumschlag der Debatte nützlich ist? Man kann die zwanzig Seiten der Experten auch ganz anders lesen: Die Medien sind eingeschüchtert und orientierungslos, im Internet lösen sich Traditions- und Qualitätsmarken auf. Die Verlage haben mit ihrem Geschäftsmodell den Glauben an ihre Zukunft verloren. Und zu ihrer Rettung schlagen nun ausgerechnet die besser als freie Journalisten honorierten Berater der Regierung den Medien vor, ihre Abhängigkeit von der Werbung, auf die sie nicht mehr zählen können, gegen die Abhängigkeit von Subventionen und Stiftungen einzutauschen. Dem Staat, der Politik im weitesten Sinne, kommt im Maßnahmenkatalog der Emek-Experten die zentrale Rolle zu: als Geld- und Gesetzgeber in spe.

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