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Saad Mohseni in seinem Büro in Kabul. Die Aufnahme stammt aus dem Januar 2016. Bild: Picture Alliance

Medien in Afghanistan : Abwarten und hoffen

Saad Mohseni ist Gründer des wichtigsten freien Medienunternehmens in Afghanistan. Was wird aus seiner Moby Group und dem Sender Tolo TV, bei dem Frauen wie Männer moderieren?

          4 Min.

          Wir erreichen Saad Mohseni am Telefon. Wie es seinen Mitarbeitern gehe, wie es um sein Unternehmen stehe, wol­len wir wissen. Die Lage sei „erstaunlich ruhig“, sagt Mohseni, und erscheine fast wie „business as usual“. „Wir müssen abwarten und sehen, was kommt. Es ist zu früh, Entscheidungen zu treffen, bevor die Taliban die volle Kontrolle übernommen haben. Das ist die gute und die schlechte Nachricht zugleich.“

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das „business as usual“, von dem Saad Mohseni spricht, ist nach hiesigen Maßstäben alles andere als ein Normalzustand. Mohseni ist Chef des in Kabul ansässigen Medienunternehmens Moby Group. Er hat es 2002 mit zweien seiner Brüder gegründet. Die Moby Group unterhält einen Radiosender, zwei Produktionsfirmen, eine Werbetochter und den wichtigsten Fernsehsender des Landes, Tolo TV. Tolo TV ist die Stimme des freien Afghanistans, betreibt unabhängigen, kritischen Journalismus und steht für moderne Unterhaltungsprogramme. Das bekannteste dürfte die Show „Afghan Star“ sein, die nach demselben Prinzip funktioniert wie „Deutschland sucht den Superstar“ bei RTL. Rund vierhundert Mitarbeiter beschäftigt die Moby Group, hier treten Männer wie Frauen vor die Kamera, was in Afghanistan noch nie selbstverständlich war. Ebenso wenig ist dies kritischer Journalismus. Im Frühjahr wurden in Afghanistan drei Journalistinnen ermordet. Elf Mitarbeiter von Tolo TV verloren in den vergangenen Jahren ihr Leben, davon sieben im Januar 2016, als ein Selbstmordattentäter einen Firmenbus angriff.

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