https://www.faz.net/-gqz-7zy1d

Die FDP und die Hamburg-Wahl : Suding, beinhart

Kopf- und Körpereinsatz: Katja Suding zeigt der FDP, was gute Beinarbeit ist. Bild: dpa

Wie Medienbeobachter an den Argumenten der FDP scheitern und Katja Suding zu parteilicher Lässigkeit in Person wird. Sie verfügt über mehr Beinfreiheit als Peer Steinbrück je hatte.

          2 Min.

          Die eine hat sie, der andere hatte sie nicht. Als Peer Steinbrück nach „etwas Beinfreiheit“ verlangte, tat sich seine Partei schwer, sie ihm zu gewähren. Schließlich wollten auch Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier Bein zeigen im vergangenen Bundestagswahlkampf, um Angela Merkel vor selbiges zu treten. Was bekanntermaßen nur fünfundzwanzigprozentig gelang.

          Katja Suding hatte es da leichter. Sie kickte die FDP jetzt in Hamburg bei der Bürgerschaftswahl leichten Fußes auf 7,4 Prozent – ein Siebenmeilenstiefelschritt für die Partei, deren Beinarbeit zuletzt nicht einmal für die Fünf-Prozent-Hürde reichte. Den Grünen-Politiker Jörg Rupp hat das ziemlich um den Verstand gebracht. Mit „Titten und Beinen anstatt Inhalten“ habe die FDP in Hamburg ihr Ergebnis erzielt, twitterte er und merkte recht schnell, dass er sich im Ton vergriffen hatte.

          „Wir lassen Luftballons steigen“

          Seine Entschuldigung nahm Katja Suding mit derselben Lässigkeit an, mit der sie zuvor schon auf den „Altherren-Kameraschwenk“ der „Tagesschau“ reagiert hatte, für den der ARD-Chefredakteur Kai Gniffke ebenfalls in angemessener Weise umgehend zu Kreuze gekrochen war: Im Ersten gibt es fortan nur noch Politiker/innen als „talking heads“. Und man sollte sich ja tatsächlich lieber auf die Argumente konzentrieren, mit denen die FDP die Wähler für sich einzunehmen gedenkt. Das hat zuletzt zum Beispiel der furchtlose Reporter Lutz van der Horst von der „heute show“ versucht und den „Flashmob“ begleitet, der kurz vor der Wahl am Hamburger Bahnhof für die Argumente der FDP eintrat. Sinn und Zwecke der Aktion: „Wir lassen Luftballons steigen.“ Klar, heiße Luft steigt nach oben, könnte man nun spotten. Von wegen. Die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer erklärt es uns: Das war „eine wunderschöne Demonstration für die Freiheit“. Schade, dass die Ballons in den umstehenden Bäumen hängenblieben. Die hatten bestimmt Sozialdemokraten oder Grüne gepflanzt.

          Katja Suding nahm derweil für sich in Anspruch, die „inhaltsstärkste Kampagne“ auf die Beine gestellt zu haben, „die überhaupt in ganz Hamburg steht“. Mit Standbein und Spielbein. Überzeugen konnten sich davon unter anderen die Leser/innen der „Gala“. In der gaben Katja Suding, Nicola Beer und Lencke Steiner sich unter dem Motto „Köpfchen trifft Körpereinsatz“ zu einem „exklusiven Shooting“ ein Wahlkampf-Stelldichein. Sie turnten in figurbetonenden Roben nach dem Vorbild der „Drei Engel für Charlie“ vor der Kamera herum. „Drei Engel für Lindner“ war die Fotostrecke betitelt. Freidemokratinnen freizügig bei Freiübungen, Liberale im Spagat und im hochgeschlitzten Ausfallschritt: So sieht heute eine „inhaltsstarke Kampagne“ aus. Von so viel Beinfreiheit konnte Peer Steinbrück nur träumen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein türkischer Militärkonvoi inmitten von Fahrzeugen flüchtender Zivilisten im Norden der Provinz Idlib.

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.