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Medienallianz im Westen : Online-Auftritt der WAZ übernimmt WDR-Videos

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Ernstes Thema, ernste Gesichter: Ministerpräsident Rüttgers (l.), WDR-Intendantin Piel und WAZ-Geschäftsführer Hombach Bild: dpa

Nach jahrlangem Streit über die Internetangebote zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den Zeitungsverlagen sind die WAZ und der WDR eine erste derartige Kooperation eingegangen. Doch das Neuland ist so neu, dass bislang kein Vertrag zustande kam.

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          Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und die WAZ Mediengruppe haben am Dienstag in der Düsseldorfer Staatskanzlei ihre Zusammenarbeit im Internet bekannt gegeben. Künftig wird die WAZ-Mediengruppe für ihr Internetportal „Der Westen“ regionale Radio- und Fernsehbeiträge des WDR übernehmen. Nach jahrlangem Streit über die Internetangebote zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den Zeitungsverlagen ist dies die erste derartige Zusammenarbeit. Auch der Ort ihrer Bekanntgabe, die Düsseldorfer Staatskanzlei, ist ungewöhnlich.

          Ministerpräsident Rüttgers hatte vor etwa einem Jahr beim Medienforum zu einer solchen Kooperation aufgefordert. Jetzt lobte er nicht ohne Stolz das „Pilotprojekt“ und empfahl es zur Nachahmung. Das reklamierte auch Clemens Bauer, der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Zeitungsverlegerverbandes, der die Kooperation ausdrücklich begrüßte. Alle Beteiligten machten klar, dass dies nur der erste Schritt zu einer neuen Zusammenarbeit zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den privatwirtschaftlichen Zeitungsverlagen in eine multimediale Zukunft sein könne.

          Nicht billig, aber auch nicht unerschwinglich

          Es war offensichtlich ein schwieriger und langer Weg von der Anregung Rüttgers bis zur jetzigen Absprache, berichtet die WDR-Intendantin Monika Piel. Auch WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach erinnerte an die viele Gelegenheiten, um von dem Vorhaben doch noch abzulassen. Die geltenden Rahmenbedingungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hätten die Gespräche so schwierig gemacht, sagte Frau Piel. Letztlich sei ein reines Lizenzgeschäft daraus geworden, bei dem die WAZ regionale und lokale Fernsehbeiträge des WDR übernimmt und das über die hundertprozentige WDR-Tochter „WDR media group“ abgewickelt wird. Die WAZ entscheide, welche Beitrage sie auswähle und der WDR entscheide, welche er anbiete. Die Beiträge dürfen nicht verändert werden und müssen als WDR-Beiträge gekennzeichnet sein. Sie werden im Internet in einem eigenen Fenster gezeigt und somit fern von Werbung präsentiert.

          Schwierig sei es gewesen, so Frau Piel weiter, den Preis für solche Beiträge zu ermitteln, da es noch keinen richtigen Markt für lokale Fernnachrichten gebe. Wegen der hohen Produktionskosten des WDR, die Frau Piel mit der hohen Qualität begründete, sei der Preis auch nicht billig: „Aber auch nicht so hoch, dass sich andere das nicht leisten könnten.“ Beide Seiten haben eine Pauschale vereinbart.

          Nun ist Bewegung in die Sache gekommen

          Wegen der schwierigen rechtlichen Lage ist es nicht zu einem Vertrag gekommen. Die Zusammenarbeit soll für das erste Jahr auf einem „letter of intent“ beruhen. „Das ändert aber nichts daran, dass wir es machen“, sagte Hombach. Schon bald werde man sehen können, wie es laufe. Er äußerte die Überzeugung, dass die sich die unterschiedlichen Medien immer mehr mit einander vermischten, und der Nutzer in Zukunft selbst entscheide, wo und auf welche Weise er guten Journalismus nutze. Kerngeschäft der WAZ sei es, guten lokalen und regionalen Journalismus auf jede Weise anzubieten.

          In Anbetracht dieser Entwickung verharre das Medienrecht hingegen noch in der Vergangenheit, sagte Bauer, der die Kooperation als Vorbild lobt und zugleich ankündigt, dass die Zeitungsverleger die öffentlich-rechtlichen Sender weiterhin genau beobachten würden. „Wir Zeitungsverleger“, sagte er an den Ministerpräsidenten gerichtet, „wünschen uns eine aktive Rolle der Landesregierung“ im Hinblick auf die Fortentwicklung des Medienrechts. Dabei kam er auch auf den digitalen Rundfunk zu sprechen und bekräftigte den Wunsch der Verleger, „die geltenden Beteiligungsgrenzen zu öffnen“. Rüttgers hörte zu und gab zu erkennen, dass die Weiterentwicklung des Medienrechts auch eines seiner Zukunftsprojekte sei. Alle Beteiligten zeigten sich überzeugt, dass nun Bewegung in die Sache gekommen sei.

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