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Medien : Stefan Aust beim „Spiegel“ freigestellt

Kämpft für eine Abfindung in Millionenhöhe: Stefan Aust Bild: AP

Der Chefredakteur des „Spiegel“, Stefan Aust, ist am Montag von seiner Aufgabe freigestellt worden. Das teilte ihm Geschäftsführer Mario Frank mit. Aust soll danach noch nicht einmal in sein Büro zurückgekehrt sein. Zugleich ist die neue Doppelspitze bestellt worden.

          Ein freundlicher Übergang sieht anders aus: Der Chefredakteur des Magazins Der Spiegel, Stefan Aust, ist am Dienstag von seiner Aufgabe freigestellt worden. Gegen Mittag wurde ihm dies von dem Geschäftsführer des Spiegel-Verlags, Mario Frank, eröffnet. Aust sei „mit sofortiger Wirkung abberufen und freigestellt worden“, teilte der Verlag mit. Sein Vertrag ende am 31. Dezember 2008.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Zugleich sind seine Nachfolger berufen worden: Mathias Müller von Blumencron, der bisherige Chefredakteur von Spiegel Online, und Georg Mascolo, Chef des Berliner Spiegel-Büros, sollen die Redaktion des Magazins von sofort an als Doppelspitze gemeinsam leiten. Darauf haben sich die Gesellschafter des Magazins, die Mitarbeiter KG (50,5 Prozent), der Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) und die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein (24 Prozent), geeinigt. Vorgeschlagen hatte Müller von Blumencron und Mascolo die Mitarbeiter KG am Ende einer monatelangen, von quälenden Peinlichkeiten geprägten Kandidatenkür. Der ZDF-Nachrichtenmoderator Claus Kleber etwa war von den Gesellschaftern schon ausgeguckt worden, hatte dann aber abgesagt.

          Er soll nicht einmal in sein Büro zurückgekehrt sein

          Stefan Aust verließ den Spiegel dem Vernehmen nach direkt im Anschluss an das Gespräch mit dem Geschäftsführer, er soll nicht einmal in sein Büro zurückgekehrt sein, um die Dinge zu ordnen. Seine Freistellung kam nur einen Tag, nachdem vor dem Hamburger Arbeitsgericht ein Gütetermin geplatzt war, bei dem sich die widerstreitenden Parteien auf eine reibungslose Ablöse hätten einigen können. Aust und sein Rechtsbeistand sind der Auffassung, dass sein Arbeitsvertrag als Spiegel-Chefredakteur bis Ende 2010 gültig und sein Vertrag als Herausgeber der Fernsehtochtergesellschaft Spiegel TV bis Ende 2013 wirksam ist. Beide Verträge waren im vergangenen November gekündigt beziehungsweise nicht über den 31. Dezember 2008 hinaus verlängert worden. Aust hatte hiergegen Kündigungsschutzklage eingereicht. Das Arbeitsgericht hat eine neuerliche Verhandlung für den 7. Mai angesetzt.

          Bis dahin, hieß es am Montag noch, würden die Parteien versuchen, außergerichtlich eine Einigung zu erzielen. Bei dieser geht es vor allem um die Höhe der Abfindung, die Aust aus seinen Verträgen zusteht. Dass es zu einer solchen Einigung kommt, steht nun, da Aust beurlaubt worden ist, deutlicher denn je in Frage.

          Mitarbeiter bescheinigen neuen Chefs „Kreativität und Führungsstärke“

          Im Spiegel-Verlag ist man offenbar der Ansicht, dass Austs Abfindung sich an der Vertragslaufzeit bis Ende 2008 zu orientieren habe. Austs Anwälte sehen das naturgemäß anders. Kurz vor dem Termin am Arbeitsgericht sollen Austs Anwälte noch ein Treffen vorgeschlagen haben, um über die Höhe der Abfindung zu sprechen, in Rede steht ein hoher einstelliger Millionenbetrag.

          Die neuen Chefredakteure stünden für eine Verjüngung an der Spitze und eine Modernisierung im Blatt, teilte die Mitarbeiter KG mit. Müller von Blumencron und Mascolo hätten in verschiedenen Funktionen „Kreativität und Führungsstärke“ bewiesen, sagte Armin Mahler, der Sprecher der Mitarbeiter KG. Stefan Aust danke man „für seine außerordentlich erfolgreiche Arbeit“. Es sei maßgeblich sein Verdienst, dass der Spiegel auf dem stark umkämpften Zeitschriftenmarkt „Deutschlands bedeutendstes und Europas auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin ist“. Fraglich ist, ob der von harten Auseinandersetzungen geprägte Führungswechsel Folgen für den Geschäftsführer Frank hat. Nicht wenige im Spiegel lasten ihm die Hauptverantwortung für die Konfrontationen an.

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