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Medien in Russland : Putin macht die Presse platt

Präsident Putin hatte VTimes auf die Liste „ausländischer Agenten“ des Justizministeriums gesetzt. Bild: Reuters

Eine Staatsmacht, die keine professionellen und unkontrollierten Medien braucht: Das Onlinemagazin VTimes muss seine Arbeit in Russland aufgeben.

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          Der Kreml kann im Kampf gegen Russlands verbliebene unabhängige Medien einen weiteren Erfolg verzeichnen: Das Onlinemagazin VTimes hat am Donnerstag erklärt, seine Arbeit einzustellen. Eine Gruppe der renommiertesten Journalisten der Zeitung Wedomosti hatte VTimes im Sommer 2020 gegründet, nachdem das langjährige Flaggschiff unter den russischen Zeitungen unter einem neuen Chefredakteur auf Linie gebracht worden war; dieser wird mit dem staatlich kontrollierten Ölkonzern Rosneft verbunden, dessen Aufsichtsrat der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder führt und in den gerade die frühere österreichische Außenministerin Karin Kneissl eingezogen ist, die durch ihren Tanz mit Präsident Wladimir Putin bei ihrer Hochzeit 2018 in Erinnerung blieb.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Mitte Mai war VTimes auf die Liste „ausländischer Agenten“ des Justizministeriums gesetzt worden, mit der Putins Regime gegen missliebige Kräfte in der Zivilgesellschaft und in den Medien vorgeht. Dieser Schritt, der kurz zuvor schon das führende, aus dem lettischen Exil betriebene Newsportal Medusa getroffen hatte, war nun laut einer Erklärung der VTimes-Redaktion der Sargnagel für das Projekt.

          Stigma des „ausländischen Agenten“

          Die Redaktion hob das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung ihrer Mitarbeiter hervor. Zudem habe das Stigma des „ausländischen Agenten“ das Geschäftsmodell von VTimes zerstört: Werbekunden und andere Partner wüssten nicht, wie sie mit einem „Agenten“ zusammenarbeiten könnten, und Spenden allein – auf die nun Medusa setzt – reichten nicht aus, um ein Qualitätsmedium zu finanzieren. Zudem weigerten sich viele Beamte, Geschäftsleute und Analysten, einem „ausländischen Agenten“ Kommentare zu geben, was man verstehe.

          So werde VTimes „in die Nische der oppositionellen politischen Massenmedien gedrängt. Aber wir haben ein ganz anderes Medium erdacht und gemacht.“ Man habe kein Propagandainstrument schaffen wollen, sondern ein unabhängiges Qualitätsmedium, „einen Platz für den freien Austausch konstruktiver Meinungen“, mit positiven Beispielen, aber ohne die Augen vor Problemen und brisanten Themen zu verschließen.

          „Und heute können wir stolz sagen: Das ist uns geglückt! Aber am eigenen Beispiel haben wir uns davon überzeugt, dass die Staatsmacht keine professionellen und unkontrollierten Medien braucht.“ Daher stelle man zum 12. Juni, dem Nationalfeiertag des unabhängigen Russlands, die Arbeit ein. Für den Kreml ist es schon der zweite Erfolg binnen weniger Tage: Ende Mai hat Newsru.com, der führende unabhängige russische Nachrichtenaggregator, seine Arbeit eingestellt.

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