https://www.faz.net/-gqz-6ncvq

Meckel contra Jauch : Revanchefoul?

Die Lebensgefährtin, aber nicht die Pressesprecherin von Anne Will: die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel Bild: F.A.Z.

Ist es unparteiische Medienkritik, wenn sich Miriam Meckel ironisch über die Talk-Premiere von Günther Jauch äußert? Oder wurmt es sie noch, dass ihre Lebensgefährtin dafür unsanft von ihrem Sendeplatz verdrängt wurde?

          1 Min.

          Miriam Meckel kennt sich aus mit der Öffentlichkeitsökonomie. Sie ist Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen und Beraterin für „strategische Kommunikation“. Und mit einer kleinen strategischen Kommunikationsattacke hat sie es am Dienstag auf die Titelseite der „Bild“-Zeitung gebracht. „Da freuen wir uns doch ab sofort darüber, dass es ,Stern TV' in der ARD gibt“, hat sie getwittert, und: „Jetzt bin ich doch unsicher, ob man Jauch zum Bundespräsidenten wählen sollte.“

          Das ist witzige Medienkritik, wie wir sie von der Autorin Miriam Meckel gewohnt sind. Doch kann, da sie die Lebensgefährtin von Anne Will ist, der Seitenhieb auf die neue Talkshow von Günther Jauch im Ersten selbstverständlich auch noch in einem anderen Zusammenhang gelesen werden. Schließlich hat sich die ARD nicht gerade gentlemanlike verhalten, da sie um Jauchs willen Anne Will vom Premiumplatz am Sonntag auf den Mittwoch abgeschoben hat. Als Anne Will antrat, wurde sie ebenso hofiert wie nun ihr Nachfolger, sie holte eine ebenso hohe Quote und moderierte lange Zeit ohne Fehl und Tadel. So könnte man denken, dass die ARD mit ihren Talkmastern umgeht wie der Fußballtrainer Felix Magath (derzeit beim VfL Wolfsburg) mit Spielern: Man verpflichtet mehr, als man braucht, setzt den einen oder anderen auf die Transferliste (etwa Harald Schmidt, der nun für Sat.1 spielt) oder stellt sie oder ihn kalt.

          Kein Wunder also, dass mancher dachte, Miriam Meckel ahnde ein gröberes Foul der Vergangenheit nun mit einem kleineren. Was sie freilich, wiederum per Twitter, gleich dementierte: „Ich bin nicht die Pressesprecherin von Anne Will. Ich habe eine eigene Meinung, die ich zum Ausdruck bringe“, schrieb sie am Dienstag. Apropos Dienstag, apropos dritter Strang der kleinen strategischen Kommunikationsattacke: An diesem Dienstag hat Miriam Meckel in Berlin, im exklusiven Soho-Club, ihr neues Buch vorgestellt. „Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns“, heißt das Werk.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Weitere Themen

          Musik mit ganz neuen Spielregeln

          Jazzpianist Michael Wollny : Musik mit ganz neuen Spielregeln

          Wenn vier Männer wie Figuren in einem Videospiel durch die Musik laufen: „XXXX“ heißt die neue magische Platte des Jazzpianisten Michael Wollny, die er mit Emile Parisien, Tim Lefebvre und Christian Lillinger aufgenommen hat.

          Topmeldungen

          Vorbild für Moskau: Ein Mann lässt sich in der russischen Hauptstadt am Donnerstag mit dem Vakzin Sputnik V impfen

          Impfen in Russland : Moskau prescht mit Pflichtimpfung vor

          Moskaus Bürgermeister und drei weitere russische Regionen verpflichten Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter gegen das Coronavirus zu impfen. Der Kreml hingegen zögert angesichts der Impfunwilligkeit der Russen.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.