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MDR-Interview mit Björn Höcke : Keine Fragen

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Allgemeinplätze: Björn Höcke beim Interview im MDR. Bild: MDR/Screenshot F.A.Z.

Der MDR wird wegen eines „Sommerinterviews“ mit dem AfD-Politiker Björn Höcke kritisiert. Aber nicht das Gespräch ist ein Skandal. Fragwürdig ist das Denken derer, die ihre politische Haltung mit Journalismus verwechseln.

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          Interviews sind ein klassisches journalistisches Format. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Journalist, sondern der Interviewte. Ihn zu klaren Aussagen zu bewegen, ist die hohe Kunst in diesen von den sozialen Medien bestimmten Zeiten. Ein Versprecher oder ein belangloser Irrtum werden zum Aufreger (heute: „Shitstorm“) der Woche. Deshalb sind Politiker vorsichtig und ergehen sich in Plattitüden.

          Journalisten wissen das natürlich und versuchen, es zu konterkarieren. Manchmal ist es die provokative Gegenposition, manchmal das Weiterdenken der vorgetragenen Argumente. Zuschauer oder Leser sollen sich ihr eigenes Bild machen.

          In jüngster Zeit hat sich eine andere Interviewform herausgebildet: das nicht geführte Interview als Journalismus-Simulation. Einer der führenden Köpfe dieser Richtung ist Georg Restle, Moderator von „Monitor“, einem in früheren Zeiten wichtigen Politikmagazin des WDR. Es hatte Bedeutung, weil es auch Zuschauer erreichte, die nicht mit der politischen Ausrichtung der Redaktion übereinstimmten.

          Hat der Zuschauer kein Recht, sich selbst eine Meinung zu bilden?

          Restle propagiert schon lange das Nicht-Interview. Dieser Tage war es wieder so weit. Es gab die obligatorischen Sommerinterviews des MDR Thüringen mit den im Landtag vertretenen Parteien. Darunter ein Gespräch an diesem Dienstag mit Björn Höcke, dem AfD-Fraktionsvorsitzenden. Er repräsentiert die zweitstärkste Fraktion im Landtag.

          Die Logik der Nicht-Interviewer, keineswegs nur von Restle: Nazis dürfe man keine Bühne bieten. Der Sinn dieser Logik ist nicht so einfach zu verstehen. Fürchten sich die Nicht-Interviewer vor Höckes Einlassungen? Wird man selbst zum Nazi, wenn man ihm Fragen stellt? Hat der Zuschauer kein Recht, sich selbst eine Meinung zu bilden?

          Die Posse nahm ihren Lauf, es wurde laut gegen den MDR getrommelt. Für die anderen Sommerinterviews aus Thüringen hatte sich kein Mensch interessiert. Höcke bekam nun auf allen Plattformen größte Aufmerksamkeit. Das muss man in unserer zerklüfteten Medienlandschaft erst einmal schaffen.

          Was war los? Der MDR-Redakteur Lars Sänger führte ein professionelles Interview, in dem Höcke halt wie ein Politiker argumentierte: Er flüchtete in Allgemeinplätze, wenn es um die desaströse Lage der AfD und seine persönliche Verantwortung dafür ging. Regelrecht komisch wurde es, als Sänger ihn auf Landolf Ladig ansprach. Unter diesem Pseudonym soll Höcke in rechtsextremen Zeitschriften publiziert haben.

          Nur hartgesottene Höcke-Fans werden seinen Auftritt für überzeugend gehalten haben. Inhaltlich ging es unter anderem um die Corona-Pandemie. Die sei vorbei, meinte Höcke. Kurz zuvor hatte er bekannt, wie begrenzt das Wissen über Corona sei. Konsequenterweise müsste er fordern, alle Restriktionen zu streichen. Das tat Höcke aber nicht. Er sprach nur über ein Missverhältnis zwischen Infektionsrisiko und getroffenen Maßnahmen. Da hätte sich nachzufragen gelohnt, damit die Zuschauer wenigstens ahnen, was Höcke und die AfD eigentlich wollen. Indes machte der Interviewer Sänger auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Die meisten AfD-Wähler unterstützen die Pandemiepolitik der Regierung. Das könnte für die AfD zum Problem werden. Früher hätte das „Monitor“ thematisiert. Als es noch ein ernstzunehmendes politisches Magazin war.

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