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TV-Kritik: Maybrit Illner : Der Feind steht rechts

  • -Aktualisiert am

Reden über rechts: Maybrit Illner mit ihren Gästen Antje Hermenau, Marco Wanderwitz, Maybrit Illner, Katarina Barley, Matthias Manthei, Michael Nattke Bild: ZDF/Jule Roehr

Im ZDF diskutierte Maybrit Illner über die Ereignisse in Chemnitz. Kurz zuvor versuchte der sächsische Ministerpräsident die Bürger vom demokratischen Rechtsstaat zu überzeugen. Dazu müssen die Medien ihren Beitrag leisten.

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          Zeitungsenten sind so alt wie die Presse. Das betrifft in gleicher Weise das Hantieren mit unbestätigten Gerüchten. Bisweilen ist auch schlichte Dummheit am Werk. Das war wieder einmal gestern in der Berichterstattung über Chemnitz zu erleben. So meldete ein Kollege des Redaktionsnetzwerks Deutschland, die Berliner Bereitschaftspolizei nehme ihre Beamten mit Migrationshintergrund nicht mit zu einem Einsatz nach Chemnitz. Sie wolle „niemanden provozieren“, so die Auskunft. Der Erregungsfaktor war angesichts eines solchen Verhaltens programmiert. Die Berliner Polizei dementierte diese Zeitungsente entschieden.

          Am selben Nachmittag musste sich die Redaktion von Sandra Maischberger gegen den Vorwurf von Zuschauern wehren, sie habe in ihrer Sendung über Chemnitz manipuliert, um unliebsame Informationen zu unterdrücken. Sie machte mit einem Sendeausschnitt die Absurdität des Verdachts deutlich. Schließlich sorgte ein Justizbeamter mit der anonymen Veröffentlichung des Haftbefehls gegen einen der Tatverdächtigen des Tötungsdelikts von Chemnitz für Aufsehen. Nach seiner Entdeckung sah er sich als Whistleblower in der Tradition eines Edward Snowden: Er habe das Verschweigen der Wahrheit nicht mehr ertragen.

          Nur war in diesem Haftbefehl zum Tathergang lediglich das zu lesen, was die Staatsanwaltschaft schon längst veröffentlicht hatte. Der Justizbeamte hatte der Öffentlichkeit lediglich Namen des Täters und der Zeugen mitgeteilt. Das war skandalös, undenkbar für einen seriös arbeitenden Journalisten. Einige empörten sich über das Durchstechen solcher Informationen aus der Justiz. Es sind die gleichen Kollegen, die für Informanten aus Justiz und Politik ansonsten sichere Briefkästen anbieten. Der Beamte muss mit einem Strafverfahren rechnen. Der Neuigkeitswert dieses veröffentlichten Haftbefehls tendierte gegen Null.

          Irrsinn und Groteske

          Wer sich anschließend die Diskussion des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer mit Bürgern in Chemnitz anhörte, machte vor allem eine Erfahrung: deren tiefsitzendes Misstrauen gegen Politik und Medien. Das hat nicht zuletzt mit einer Berichterstattung zu tun, die manchmal die Einordnung der Fakten auch ohne deren vorherige Klärung praktiziert. So wurde von Bürgern bestritten, dass es bei der Spontandemonstration am Sonntag zu „Hetzjagden“ oder sogar „pogromartigen“ Situationen gekommen sei. Diese Begriffe bestimmten den Tonfall der Berichterstattung. Sie wirkten auf alle Beobachter mit guten Gründen schockierend. Diese Perspektive beruhte letztlich auf einem einzigen Videoausschnitt, der Männer zeigte, die ausländisch aussehende Menschen verfolgten.

          Rechte Netzwerke von den Identitären bis zum intellektuellen Vordenker der Rechtsradikalen, Götz Kubitschek, sehen das längst als entscheidende Schnittstelle zum Angriff auf den demokratischen Rechtsstaat. Den Medien und der etablierten Politik hier eine Lüge nachzuweisen, wäre ein Triumph. Kretschmer fand die richtigen Worte. Nicht nur sei selbst ein Einzelfall einer zu viel, so seine Antwort an die Kritiker. Vielmehr sprach er in der Versammlung von fünfundzwanzig vergleichbaren Vorfällen. Die „Freie Presse“ als Chemnitzer Lokalzeitung schilderte den vergangenen Sonntag so: „Die Situation geriet zeitweise außer Kontrolle, es kam zu Übergriffen und Jagdszenen auf offener Straße. Deeskalationsversuche der Polizei schlugen fehl.“ Der Chefredakteur sprach in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur von „sehr vereinzelten Fällen aus dieser Demonstration heraus“, was aber „mit einer Hetzjagd im wörtlichen Sinne nichts zu tun“ gehabt habe.

          Entsprechend häufig wird Torsten Kleditzsch zurzeit in rechten Publikationen zitiert. Seine Aussage wird allerdings nicht unglaubwürdig, nur weil sie Rechtsextremen ins Konzept passt. In der Sendung von Maybrit Illner vertrat lediglich Antje Hermenau eine vergleichbare Sichtweise. Die frühere Spitzenpolitikerin der sächsischen Grünen warnte davor, mit aggressiven Begriffen wie „Hetzjagd“ und „Lynchjustiz“ Stimmung zu machen. Matthias Nattke vom Kulturbüro Sachsen widersprach dieser Einschätzung. Es habe „Menschenjagden gegeben.“

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