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TV-Kritik: Maybrit Illner : Mehr Labilität wagen!

  • -Aktualisiert am

Auch mal im Zeichen der SPD: die Talkrunde bei Maybrit Illner Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Zehn Tage vor zwei Landtagswahlen im Osten kehrt Maybrit Illner mit ihrer Talkshow aus den Ferien zurück. Dabei stiftet sie einen fruchtbaren Streit – mit überraschendem Ergebnis.

          Die politische Kultur der Stabilität, wie sie über Jahrzehnte die westdeutsche Politik geprägt hat, sieht sich bei den Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern auf die Probe gestellt. Die jüngsten Umfrageergebnisse zeigen, dass die Regierungsparteien langsam wieder etwas nach vorne rücken. Ob das schon ein Trend ist oder nur ein Augenblick?

          Die Wahlkämpfer müssen sich auf unorthodoxe Bündnisse einstellen. Ausgeschlossen bleiben nur die Beteiligung oder Absprachen mit der AfD. Seitdem deren Flügelleute immer offener rechtsextreme Positionen vertreten, gilt es angemessene Antworten auf den Anspruch der AfD zu finden, sie sei die Erbin der ostdeutschen Bürgerrechtler. Das ist Etikettenschwindel.

          Erfolge verheimlicht

          Erst einmal kreist die Debatte um den Zustand der Parteien, die die Bundesregierung stellen. Selten schienen die Fliehkräfte so groß, die Union und SPD auseinander treiben. In erstaunlichem Gegensatz zu ihrem gesetzgeberischen Erfolg leiden die drei Regierungsparteien an-, mit- und gegeneinander. Einige Kandidatenpaare für den nächsten SPD-Vorsitz halten es für eine ausreichende Wahlposition, zum Jahresende die Koalition aufzukündigen. Unzufriedenheit ist aber politisch weder ein Programm, noch bietet sie Perspektiven. Wichtiger wäre es zu erfahren, wie Union und SPD sich zu Grundsatzfragen der Zukunft äußern. Da sind sie erstaunlich maulfaul, vielleicht sogar verzagt, weil die Digitalisierung, die soziale Sicherung und der Klimawandel nicht mehr mit den kleinen Rädchen eines bescheidenen „weiter so“ gestaltet werden können.

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          Bei der Union erodiert der Machtinstinkt. Bei der SPD wächst Sehnsucht nach einer Oppositionsrolle, von der frühere Parteiführer glaubhaft mitteilten, sie sei Mist. Das Volk wendet sich ab von den Volksparteien, auch von einer Medienresonanz, die augenblicksversessen albernen Bemerkungen zu viel Aufmerksamkeit schenkt.

          Ziemiaks Pech

          Der etwas aufgeblasene ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist politisch ein Leichtgewicht, und was er mitzuteilen hat ist uninteressant. Auf welche Themen die neue Vorsitzende der CDU und ihr etwas abgekoppelter Generalsekretär eingehen und auf welche besser nicht, werden sie noch lernen. Maßgeblich sei das Grundsatzprogramm, orakelt Paul Ziemiak. Nun ja. Illner zieht eine Duckface-Schnute, als Ziemiak unterstreicht, die CDU sei eine Volkspartei. Warum hat er seine Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer nicht vor Fettnäpfchen geschützt? Ihm seien andere Fragen wichtiger als die ihm gestellten, schluchzt Ziemiak. So ein Pech aber auch!

          Aus unerfindlichen Gründen sitzt mit Richard David Precht ein Philosoph in der Runde, der seine Disziplin nicht ausspielt, weil er nicht aufs Denken setzt, sondern auf Parolen. Zeit-Autorin Jana Hensel erinnert an frühere Landespolitiker, die in der Bundespolitik herumstolperten. Das ist Folge der bundesstaatlichen Ordnung, wie einst ein Talent aus Oggersheim gezeigt hat.

          Eines der acht Duos: Boris Pistorius und Petra Köpping Bilderstrecke

          Karl Lauterbach vertritt das schmucke Rudel von Kandidaten für den SPD-Vorsitz. Mit seiner Kollegin Nina Scheer plädiert er für ein Ende der Großen Koalition zur Halbzeit und verwechselt so eine taktische mit einer strategischen Herausforderung. Was wäre denn der Anfang dieses Teams? Eine rot-rot-grüne Mehrheit ist nicht in Sicht. Er zeigt Mitgefühl. Es sei nicht gut, wenn ein Partner strauchelt. Sechs Jahre Große Koalition hätten viel gebracht, jetzt würden aber die Kosten für das Land zu groß. Führt der Wahlzirkus von 23 Regionalkonferenzen zu neuer Kraft für die SPD? Oder ist es wahrscheinlicher, dass das mediale Echo ähnlich konfus ausfällt wie auf die zahlreichen Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei in den Vereinigten Staaten?

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