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Maybrit Illner im Interview : „Wir sind die Sieger des ersten Quartals“

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Maybrit Illner: Am meisten Freude im Leben, wenn man sich konzentriert Bild: ddp

Ihre Marktanteile sind höher als die von Anne Will oder Frank Plasberg: Maybrit Illner, die Moderatorin des ZDF-Polittalks, über ihre Konkurrenten, mögliche Beißhemmungen und ihr enormes Sprechtempo.

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          Maybrit Illners ZDF-Politiktalk am Donnerstagabend pausiert in der Karwoche: Kein schlechter Anlass, mit der Moderatorin über ihre Sendung und die Formate der Konkurrenz zu sprechen.

          Wann haben Sie zuletzt an Ihrem schnellen Sprechtempo gefeilt?

          Ich glaube, da ist Hopfen und Malz verloren, mich noch vom fünften in den dritten Gang herunterschalten zu wollen. Eine Grundgeschwindigkeit ist einfach da. Meine Sprecherzieherin hatte mich vor zwanzig Jahren auch diesbezüglich liebevoll in die Mangel genommen, aber bald aufgegeben. Wenn wir uns heute sehen, plaudern wir nur noch über das Leben - und zwar schnell.

          Sie hat einen Lauf: Moderatorin mit Bambi

          Kerner kommentiert im ZDF den Sport, Sie sind gelernte, ja studierte Sportreporterin. Warum machen Sie es nicht?

          Natürlich, weil Kerner das gut macht und eine Menge anderer Kollegen auch. Ich bin Anhänger der These, dass man am meisten Freude im Leben hat, wenn man sich konzentriert. 1989 war ich noch in der Sportredaktion, habe dann aber festgestellt, dass mich mit der Wende Politik plötzlich viel, viel mehr interessierte. Und wenn das Feuer weg ist, soll man die Finger davon lassen.

          Jetzt begeistern Sie sich für die Politik. Ist da nach acht Jahren mit immer wiederkehrenden Gästen nicht der Lack ab?

          Ich bitte Sie, es hat ja inzwischen nicht nur einen Regierungswechsel gegeben. Es passiert auch ansonsten viel. Wir leben in politisch extrem bewegten Zeiten. Die Globalisierung etwa ist in unserem Land endgültig angekommen. Dinge, von denen wir gestern noch dachten, dass sie stabil sind, geraten ins Wanken. Das verunsichert - bis in den Mittelstand. Und die nationale Politik kann darauf nur noch begrenzt reagieren. Wo sie es kann, tut sie es meist spät und mit dem kleinen Karo der großen Koalition. Wo sie es nicht kann, sind wir bass erstaunt über die Radikalität und die Geschwindigkeit der Prozesse. Und außerdem hat sich unsere Sendung verändert. Wir laden schon seit Jahren nicht nur Politiker ein. Wir diskutieren über Löhne wie in China mit echten Chinesen, über den Pflegenotstand mit Pflegebedürftigen und über die aktuelle Krise der Sozialdemokratie mit Hans-Jochen Vogel und der Juso-Vorsitzenden. Soll heißen: Wir bauen Konstellationen, auf die wir selbst neugierig sind. Und das Publikum guckt das. Unser Marktanteil liegt jetzt im Durchschnitt bei knapp vierzehn Prozent.

          Haben Sie nicht manchmal Beißhemmungen oder Loyalitätsprobleme, wenn Sie kurz vorher noch mit einem Politiker auf einer Party beisammenstanden?

          Mit ihnen zu reden ist Teil meiner Arbeit, fragt sich nur, wo und wie. Ich glaube, dass Journalisten gut daran tun, Distanz zu halten. Sie sollten eben nicht privat werden mit Politikern, keine Biographien über sie schreiben, sich einladen lassen. In der Sendung selbst gibt es ein Kriterium, das steht über allem: Fairness.

          Sie haben sicher eine politische Meinung. Wie halten Sie die aus der Diskussion heraus?

          Gründlich. Die Argumente sprechen ja für sich, und sie müssen auch mich überzeugen. Sonst frage ich weiter. Das ist schlicht mein Job.

          Gibt es Politiker, die Sie wirklich achten können, die ehrlich sind?

          Sicher. Ich achte grundsätzlich jeden, ich begegne ihnen nur nicht mit Ehrfurcht. Es gibt in jeder Partei Politiker, die keine Heilsversprechen mehr machen. Die sagen Ihnen: Wir haben zehn Möglichkeiten, auf dieses Problem zu reagieren. Wir wissen nicht, welche am besten funktioniert, aber wir probieren die eine jetzt mal aus. Ein Politiker tut sich keinen Gefallen, wenn er behauptet, er habe das Patentrezept.

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