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Matula im ZDF : Immer für ein ansehnliches Verbrechen gut

  • -Aktualisiert am

Will Matula (Claus Theo Gärtner) da wirklich hinauf? Selbstverständlich, sonst wären wir im falschen Film. Bild: ZDF und Barbara Bauriedl

Claus Theo Gärtner kehrt als Detektiv Matula ins ZDF zurück. Der Mann hat schlimmen Rücken – aber Motorrad fahren, rennen und über Gatter springen kann er noch.

          3 Min.

          Niemals geht man so ganz, aber Zeiten ändern sich, selbst in Fernsehfilmen des ZDF. Jedenfalls ein klein wenig. Markenkerne und Kernmarken werden gepflegt, solange die Zuschauer und zentrale Mitwirkende Interesse haben, und in diesem besonderen Kasus, dem „Fall für zwei“, ist den Beteiligten, allen voran der Produktionsfirma Odeon Film, eine Markenpflegevolte gelungen, die man als Coup bezeichnen kann: Aus eins mach zwei Quotenbringer, die sich auch bestens ins Ausland verkaufen lassen.

          Nachdem Claus Theo Gärtner 2014 nach zweiunddreißig Jahren und dreihundert Folgen mit wechselnden Anwalts- und Anspielpartnern den Schlapphut des Privatdetektivs an den Nagel gehängt hatte und über eine Frankfurter Mainbrücke ganz allein in den Sonnenuntergang gestiefelt war, gab es kurz darauf eine Neuauflage mit Antoine Monot jr. und Wanja Mues, die schon mehrmals in die Verlängerung ging. Matulas letzter Anwaltskollege, Lessing (Paul Frielinghaus), hatte sich schon vorher als Rinderzüchter nach Argentinien verabschiedet. Er wollte nicht mit den Füßen voran aus der Kanzlei getragen werden. Die Neuen, einer fit, einer schlau, wohnten zuerst als WG auf einem Hausboot und machten ihre Sache nicht schlecht. Frankfurt, immer für ein ansehnliches Verbrechen gut, ist in der Neuauflage „Ein Fall für zwei“ immer noch ein wichtiger Hauptdarsteller.

          Geldeingänge von 90.000 Euro

          Nur nicht mehr für Matula. Dass Claus Theo Gärtner zwar mit Familie im Wohnmobil um die Welt fahren, aber gern wieder fürs ZDF zur Verfügung stehen wollte, daraus machte er schon 2014 im Gespräch mit dieser Zeitung keinen Hehl. Gastauftritte, lieber noch ab und an ein „Matula“-Special mit allem, was den Mann für alle kritischen Fälle auszeichnete – angereichert mit selbstironisch gefärbter Rückschau auf die blessurenreichen Jahre, die der Detektiv im Dienst der Wahrheitssuche auf dem Buckel hat.

          „Matula – Der Schatten des Berges“ ist das zweite Solo des Unverwüstlichen. Frankfurt spielt keine Rolle, da sind ja die anderen, sondern das Allgäu. Der Alfa Romeo ist verschrottet, ein klappriger Nostalgie-Bully kommt an seiner Stelle kaum die Berge hoch. Matula ist nun mit Strohhütchen und dem Wuschelhund „Renz“ (Hundedarsteller Mumford) unterwegs, benannt nach Matulas erstem berühmten Anwaltspartner Dr.Renz, den der 1999 verstorbene Günter Strack spielte. Matulas Hundebegleiter hat allerhand Totstelltricks drauf, hört aber schlecht. Der Detektiv im Unruhestand selbst trägt immer noch Lederjacke und Jeans, lernt Italienisch von der Kassette und will sich nach seinem letzten Fall in Italien erholen. Vermutlich in irgendwelchen Thermen.

          Der Mann hat schlimmen Rücken, aber Motorrad fahren, rennen und über Gatter springen hat er noch drauf, das stellt die Eingangsszene, in der er von einer wildgewordenen Horde mit Gewehren und Bluthunden durch den Wald gejagt und angeschossen wird, sofort klar (Buch Ben Braeunlich, Kamera Joachim Hasse, Regie Thorsten Näter). „Ein harmloser alter Mann, der tut nichts“, behauptet die Polizei blauäugig. Treibjagd auf den unangenehm schnüffelnden Privatdetektiv; eine abweisende Dorfgemeinschaft; ein Wirtshaus mit starrend Schweigenden, sobald Matula seine Fragen stellt. Eine Pensionswirtin, die dem Detektiv zum Frühstück trockenen Toast serviert, um ihn zur Abreise zu bewegen.

          Der verhinderte Urlauber wartet aber auf die Reparatur seines Bullys, der den Geist aufgab, nachdem ihn ein Mountainbiker (Eisi Gulp) mit dem Rad überholt hatte. Der hochverschuldete Metzger ist vom Berg gefallen, aber niemand außer seiner Schwester Nora (Marlene Morreiss) scheint sonderlich bewegt vom Ableben des Martin Wiesner (Sebastian Edtbauer), der kurz zuvor Geldeingänge von 90.000 Euro auf seinem Konto verzeichnete. Der Bürgermeister (Martin Feifel) guckt finster. Die Dorfpolizisten Janosch (Harald Windisch) und Valentin (Frederic Linkemann) ermitteln wie Pat und Patachon. Kokain in Tiefkühlhühnchen, das war Wiesners Geheimnis. Oder hat man ihm den Stoff untergeschoben? Gemächlich schleppt sich die Krimihandlung dahin, sie ist für ein Publikum gestaltet, das mit seinem Helden älter geworden ist. Das könnte peinlich sein, wird aber durch Gärtners Agilität und freundliche Selbstironie abgefedert.

          Als der Tote im Polizeirevier herumliegt, verschafft sich Matula Zutritt. Und wird erwischt. Hinknien solle er sich, und zwar plötzlich, weist ihn Gendarm Valentin an. „Geht das auch a bissel schneller?“ „Leider nicht.“ Tja, die Knie, kein Wunder. Im Datenregister findet sich „Hausfriedensbruch in 92 Fällen“. „Nur?“ Matula hätte auf mehr getippt. Für eingefleischte Fans der Serie ist Claus Theo Gärtners neuer Auftritt wohl ein Hit. Dass sich der dazugestrickte Fall ausnimmt wie anno Tobak, ist Ehrensache.

          Matula – Der Schatten des Berges zeigt das ZDF an Karfreitag um 21.15 Uhr.

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