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Schweighöfers Serie für Amazon : Ein Mann will sein Leben zurück

Am Set ist die Armbanduhr repariert. Der „First Assistant Director“ Frank Kusche, ein Riese im blauen Sweatshirt, ruft via Mikrofon zur Ordnung und bittet die Komparsen, „lebendig, aber stumm“ zu spielen, damit der Ton der Aufnahme stimmt. Kameramann Bernhard Jasper, der mit einer silberfarbenen Vespa von Set zu Set brettert, ist in Position. Die Technik stimmt sich ab: „Klappe 4.56.8 die Erste“. „A-Kamera, Ton läuft.“ Wieder Kusche: „Set und Komparsen – bitte.“ Die erwachen an den Bierzeltgarnituren zum Leben und vertiefen sich schweigend ins Gespräch. Lächeln, Lippen bewegen, essen. Einige schlendern an Schweighöfers Tisch vorbei.

Über seine Position für Amazon im Produktionswettbewerb mit Portalen wie Netflix und Maxdome denke er nicht lange nach, sagt der Schauspieler. Der Reiz liege darin, sich einmal direkt – quasi einen Klick entfernt – mit amerikanischen Serien zu messen. „Natürlich freue ich mich, wieder was Ernstes machen zu können. Dahin zurückzugehen, wo ich schauspielerisch ursprünglich herkomme. Es ist toll, wieder ernst zu spielen, sich auszuprobieren und herauszufinden, was man trainieren muss.“

Spaß an Serien

Das zweite Kamerateam ist damit beschäftigt, das Stunt-Double von Karoline Herfurth auf einem schwarzen Motorrad nebst fünf Polizeifahrzeugen über das Gelände zu jagen. Die Streckenposten brauchen gute Nerven: Hier stolpert wer ins Bild, dort will jemand mit einem Kaffee-Tablett die Route queren und am Eingang will eine Fahrradfahrerin partout nicht einsehen, warum sie ihren Weg zur Arbeit verändern soll. Der Ordner stellt sich beherzt vor sie, als sich die Frau vorbeischieben will. Wenige Sekunden später rast ein dunkelblauer Kombi mit Blaulicht heran, der Stuntfahrer tritt scharf auf die Bremse. Ein zweiter hält krachend daneben.

Er wird gejagt: Matthias Schweighöfer in „You are Wanted“.

Zwei Teams – darunter die Autoren Richard Kropf, Hanno Hackfort, Bob Konrad – schreiben am Plot für „You Are Wanted“. Das Struktur-Team sorgt für das narrative Gerüst. „Die schreiben quasi vor“, sagt Matthias Schweighöfer. „Danach komme ich mit meinem Dialog-Team und schreibe alles für das Set zurecht.“ Um die Dinge authentisch zu schildern, holt sich das Team Rat bei Hackern und beim Bundeskriminalamt: „Da rufen wir die Leute an und fragen: Stimmt das überhaupt, was wir hier machen?“

Seinen Leibwächter, einen erfahrenen Personenschützer, konsultierte Schweighöfer, um zu erfragen, wie lange der Lauf einer Pistole nach dem Schuss noch heiß ist. Selbst hat sich Schweighöfer noch nicht als Hacker probiert: „Zu viel Schiss.“ Zumal er kein Technikfreak sei. „Ich bekomme schon bei E-Mails einen Anfall, wenn da steht, ‚bitte Maildrop verwenden‘.“ Auch gehackt worden ist der Schauspieler noch nicht: „Toi, toi, toi.“ Direkt ein Serienjunkie sei er auch nicht, sagt Schweighöfer. Aber er hat Spaß an Serien. Zuletzt an „Penny Dreadful“, einer Horrorserie von Sam Mendes. „Und ein großer Fan von ,True Detective‘ bin ich auch. Aber nur die erste Staffel.“

Geliebt als komischer Charakter

Die Szene im Foodcourt ist ein Marathon. Wenn Schweighöfer spielt, geht die Spannung mit einer Wellenbewegung durch sein Gesicht. Ein Zucken der Augenbrauen, dann die Kaumuskeln an den Schläfen, gefolgt vom Zusammenpressen der Kiefer und schließlich ein Schlucken, das den Adamsapfel auf und ab bewegt. Ein paarmal wird die harte Maske durch einen Lachanfall gesprengt. „Alles wieder auf Anfang.“ Dann hat Schweighöfer die Lacher der ganzen Mannschaft auf seiner Seite. Als wären sie erleichtert, endlich den Matthias wiederzusehen, den sie vornehmlich als komischen Charakter lieben.

Es dauert ein paar Minuten, bis sich alle beruhigt haben, es wieder ernst wird. Die Mittagspause ist verschoben worden, das Teams wird nervös. Die Maskenbildnerin huscht mit roten Tupfern über Schweighöfers Wunden. Dann heißt es wieder: „Alles auf Anfang.“ Der folgende Dialog gelingt, Schweighöfer packt sein Gegenüber am Kragen und stürzt sich ins Handgemenge. Beide keuchen. Dann brüllt eine Stimme über alle Komparsen hinweg: „Polizei.“ Schon stürmt das SEK-Team mit gezückten Maschinenpistolen durch die Menge auf Schweighöfer zu. Der sprintet davon, reißt eine Bierbank um und verschwindet im Off. „Cut.“

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