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Offener Brief an Eric Schmidt : Warum wir Google fürchten

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Der Internetkritiker Evgeny Morozov hat die Haltung, die moderne Gesellschaften hier einnehmen müssen, klar beschrieben: Wir führen keine Debatte über Technik, deren faszinierende Möglichkeiten jedermann bewusst sind. Wir führen eine politische Debatte. Geräte und Google-Algorithmen sind kein Regierungsprogramm. Oder sollten es zumindest nicht sein. Die Bürger sind es, die entscheiden müssen, ob wir wollen, was Sie von uns verlangen – und welchen Preis wir selbst dafür zu zahlen bereit sind.

Die Verlage haben hier früh – als Vorboten für andere Branchen und Industrien – ihre Erfahrungen gemacht. Aber solange es nur um die Enteignung von Inhalten (die Suchmaschinen und Aggregatoren nutzen, aber nicht bezahlen wollen) ging, haben sich nur wenige dafür interessiert. Aber das ändert sich, wenn das Gleiche mit den persönlichen Daten der Menschen geschieht. Die Frage, wem diese Daten gehören, wird eine der politischen Hauptfragen der Zukunft sein.

Globales Netzmonopol

Sie sagen in Ihrem Artikel, die googlekritischen Stimmen würden „letztlich das Internet als solches kritisieren und die Möglichkeit, dass jeder egal von welchem Ort aus Informationen abrufen kann“. Das Gegenteil ist richtig. Wer Google kritisiert, kritisiert nicht das Internet. Sondern wem an einem intakten Netz gelegen ist, der muss Google kritisieren. Für uns als Verlag ist das Internet keine Bedrohung, sondern die größte Chance der letzten Jahrzehnte. 62 Prozent unseres Unternehmensgewinns sind heute aus dem digitalen Geschäft. Wir reden also nicht über das Internet, sondern nur über die Rolle, die Google darin spielt.

In diesem Zusammenhang sind die vor vier Jahren von verschiedenen europäischen Verlagsverbänden und Internetunternehmen eingereichten Wettbewerbsbeschwerden gegen Google bei der Europäischen Kommission in Brüssel von allergrößter Bedeutung. Google ist das Paradebeispiel eines marktbeherrschenden Unternehmens. Google definiert mit siebzig Prozent Weltmarktanteil die Infrastruktur im Internet. Die nächstgrößte Suchmaschine ist mit 16,4 Prozent Baidu in China – und das deshalb, weil China eine Diktatur ist und den freien Zugang zu Google verbietet. Danach kommen Suchmaschinen mit Marktanteilen von maximal sechs Prozent. Es sind Scheinwettbewerber.

Der Markt gehört nur einem. Der Anteil Googles am Online-Werbemarkt in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr und liegt derzeit zirka bei sechzig Prozent. Zum Vergleich: Die „Bild“-Zeitung, die seit Jahrzehnten vom deutschen Kartellamt als marktbeherrschend eingestuft wird (weshalb Axel Springer Pro Sieben Sat.1 oder auch Regionalzeitungen nicht kaufen durfte), hat neun Prozent Marktanteil der Printwerbung in Deutschland. Im Vergleich ist Google nicht nur marktbeherrschend, sondern sozusagen super-marktbeherrschend.

Google ist für das Netz, was die Deutsche Post für die Briefzustellung oder die Deutsche Telekom für das Telefonieren war. Damals gab es nationale Staatsmonopole. Heute gibt es ein globales Netzmonopol. Deshalb ist es von größter Bedeutung, ob es bei den Suchergebnissen von Google transparente und faire Kriterien gibt.

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