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„Masters of the Universe“ : He-Man wohnt hier nicht mehr

Von ihm ist kaum etwas zu sehen: He-Man holt aus. Bild: COURTESY OF NETFLIX

Bei „Masters of the Universe: Revelation“, dem Sequel zur Achtzigerjahre-Zeichentrickserie, weichen alte Helden neuen Rollenbildern. Den Fans von damals ist das zu viel der Wokeness.

          3 Min.

          „Bei der Macht von Grayskull!“: Dieser Ausruf dürfte einige Achtzigerjahre-Kinder noch heute verzücken, markiert er doch den Moment, in dem sich der friedliebende Prinz Adam in He-Man verwandelt, den muskelbepackten Helden der gleichnamigen Zeichentrickserie. Dieser He-Man (im Englischen ein Ausdruck für einen starken, männlichen Mann) kämpft in der Fantasiewelt Eternia mit seinen Gefährten gegen Widersacher Skeletor und eine Reihe weiterer Schurken und muss die Burg Grayskull gegen Angriffe verteidigen.

          Felix Hooß
          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

          Die Ur-Serie „He-Man and the Masters of the Universe“ wurde vor bald vierzig Jahren angeblich nur auf den Markt gebracht, um den Verkauf der Actionfiguren des Spielzeugherstellers Mattel anzukurbeln. Zeichenstil und Handlung waren simpel, der Trickfilm-Trash wird von Fans aber bis heute geliebt. Es folgten mehrere Serienableger, eine Europa-Hörspielreihe und die Kinoverfilmung mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle.

          Die Begeisterung bei den erwachsenen Fans war groß, als vor einigen Wochen die ersten Trailer zur neuen Netflix-Serie „Masters of the Universe: Revelation“ im Netz auftauchten: Es würde nach all den Jahren also ein Wiedersehen geben mit He-Man, Skeletor und weiteren liebgewonnenen Charakteren wie dem treuen Waffenmeister Man-at-Arms, der Kriegerin Teela oder dem putzigen Zauberer Orko. Seit vergangenem Freitag sind die ersten fünf Folgen auf Netflix verfügbar (weitere fünf sollen im Laufe des Jahres folgen), es handelt sich um eine Fortsetzung, die direkt an die alten Zeichentrick-Folgen anknüpfen soll. Doch die Reaktionen fallen äußerst gemischt aus: Während sich professionelle Rezensenten mit Lobeshymnen auf die durch den Produzenten Kevin Smith modernisierten Episoden überschlagen, fühlt sich die ursprüngliche „MOTU“-Fangemeinde getäuscht. Auf dem Filmbewertungsportal „Rotten Tomatoes“ erreicht die Serie bei den Kritikern 95 Prozent, bei den Zuschauern unterirdische 36 Prozent.

          Die Zeit der starken Männer ist vorbei

          Besonders ein – mit Bonnie Tylers „Holding out for a Hero“ unterlegter – Trailer hatte den Eindruck erweckt, es gehe in „Masters of the Universe: Revelation“ vorrangig um die alte Dauerfehde zwischen He-Man und Skeletor. Dabei werden die beiden mit einem Knalleffekt in der ersten Folge der neuen Staffel aus dem Spiel genommen und tauchen von da an nur noch in Rückblenden auf. Stattdessen gehört die Bühne nun anderen. Da ist vor allem Teela, die neuerdings eine Undercut-Frisur trägt und deren offensichtliche Zuneigung zu ihrer Gefährtin Andra als Wink an die LGBTQ-Community verstanden werden darf. Teela, die eigentlich mit den alten Machtbünden gebrochen hat, muss die verlorene Magie auf Eternia zurückholen und den Planeten retten. Begleitet wird sie von einer bunt gemischten Truppe, die auf Diversität hin angelegt ist: Es streiten gleich mehrere Frauen mit; Teelas Partnerin Andra, ursprünglich eine Nebenfigur und weiß, ist nun dunkelhäutig. Die Zeit der starken Männer ist abgelaufen auf Eternia, jetzt sind andere an der Reihe – so die nicht sehr subtile Botschaft.

          Für die alten He-Man-Fans ist das zu viel der Wokeness, sie fühlen sich um ihre Kindheitshelden gebracht. „Der Regisseur gehört verbannt und vor Gericht gestellt, weil er eine weitere ikonische Serie getötet hat“, schreibt einer. Ein anderer: „Diese falschen Ankündigungen. Und die Geschichte wird die meiste Zeit niedergemetzelt. Diese ganze politische Scheiße ist … nervig, gelinde gesagt.“ Dabei hat „Revelation“ durchaus Charme. Das beginnt bei der gelungenen und absolut zeitgemäßen grafischen Umsetzung durch die Powerhouse Animation Studios, welche die holzschnittartige Anmutung der Originalserie vergessen lässt. Und es geht weiter bei der Story, die eben auch Figuren Raum lässt, die sonst nicht so sehr im Mittelpunkt stehen. Auch die vielen Referenzen und ein ordentlicher Schuss Selbstironie machen die Serie sehenswert. So bemerkt Skeletor in Folge eins, nachdem er das gutartige Pflanzenwesen Moss Man zur Strecke gebracht hat, lakonisch: „Riecht nach Kiefer.“ Ein Befund, den Besitzer der dazugehörigen Actionfigur auch nach vier Jahrzehnten noch öffentlich beklagen.

          Schließlich bleibt die Botschaft der Geschichte. Auf der Suche nach der Magie müssen sich Gut und Böse zusammentun, muss jeder Einzelne seine Fähigkeiten einbringen. So kämpft Evil-Lyn, eigentlich Skeletors fiese Zauberin, an Teelas Seite für einen gemeinsamen größeren Zweck: die Rettung von Eternia. Ein Trost in Zeiten wie diesen, wenn auch nicht für Hardcore-Fans. Die werden sich vermutlich selbst dann nicht besänftigen lassen, wenn die alten Helden im weiteren Verlauf der Serie auf die Bildfläche zurückkehren sollten.

          Masters of the Universe: Revelation läuft bei Netflix.

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