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Lanz Talkshow-Strategie : Im Schlafwagen zur Erkenntnis

  • -Aktualisiert am

Egal, wer vor ihm sitzt, Moderator Markus Lanz wird schamlos seine Fragen stellen und über Münder fahren. So auch bei Edmund Stoiber und Tochter Constanze Hausmann im Oktober 2016. Bild: DAVIDS/Matthias Roehe

Kaum eine Talkshow wird so gehasst wie die von Markus Lanz. Dabei ist sie die einzige, in der die Gäste echten Gesprächen nahekommen.

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          Neulich gab es mal wieder Ärger für Markus Lanz. In seine Sendung vom 27. Juni hatte sich – erstmals gemeinsam – die Doppelspitze der Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck, verirrt, und Lanz tat eben, was Lanz am liebsten tut: Eine Viertelstunde lang schmiegte er sich mit der ganzen Kraft seines butterweichen Charmes an die beiden ran, umgarnte sie mit Koketterie und Schmeichelei, und schaltete dann – urplötzlich und ohne jede Vorwarnung, wie er es eben auch so gerne macht – hoch in den ruppigeren Geländegang.

          Wie ein Geier stürzte er sich auf Baerbock und Habeck und bombardierte sie mit dieser bekannt penetranten Art des Nachfragens und Nachbohrens, die einem beim Zusehen immer gleich mit unangenehm ist. Er ließ nicht eher locker, bis er die Frage, ob es unter grüner Kanzlerschaft keine SUVs mehr auf deutschen Straßen gäbe und wie viel die alleinerziehende Mutter denn künftig mehr bezahlen müsste für ihren Flug nach Mallorca, ein Dutzend Male zu oft gestellt hatte und die Stimmung von Habeck und Baerbock im Keller war. Er hatte sich anscheinend vorgenommen, jedem Vorwurf von grünem Gesinnungsjournalismus so resolut wie möglich entgegenzutreten, und mitten hinein in die nun schlechte Stimmung, beschwerte er sich sogar noch darüber, dass hier nun plötzlich „so ein Ton“ in die Diskussion gekommen sei und dass man sich doch wieder beruhigen solle – dabei hatte er all das selbst herbeiinsistiert.

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