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Facebook und China : Zuckerbergs Kotau

  • Aktualisiert am

Auf Kuschelkurs mit Chinas Führung: Mark Zuckerberg Bild: AP

Facebook will mit aller Macht nach China expandieren. Mit einer durchsichtigen Charmeoffensive schmeichelt sich Mark Zuckerberg deshalb bei den chinesischen Zensoren ein. Regimekritiker protestieren.

          Jüngst beeindruckte Mark Zuckerberg auf einem Podium in Shanghai, als er die Fragen chinesischer Studenten eine halbe Stunde lang in Mandarin beantwortete. Die Großmutter seiner Frau Priscilla Chan spreche nur chinesisch und er habe ihr die Hochzeit ihrer Enkelin in ihrer Muttersprache ankündigen wollen, erklärte Zuckerberg seinen erstaunlichen Spracherfolg. Man darf auch andere Gründe vermuten. Allgemein bekannt ist, dass Zuckerberg seit Jahren mit aller Macht nach China expandieren will, wo Facebook seit 2009 gesperrt ist. In den Onlineportalen war das Mandarin-Video trotzdem ein Klickerfolg.

          Wenig später hatte Zuckerberg  in seinem kalifornischen Büro den Mann zu Gast, der für die Sperrung von Facebook  in China verantwortlich ist: Lu Wei, Chinas oberster Internetaufseher, der als harter und unnachsichtiger Zensor gilt. Auch diesmal war Zuckerberg gut vorbereitet. Auf seinem Schreibtisch lag kaum zu übersehen das Buch „China regieren“ von Staatschef Xi Jinping. Und seinem Gast erklärte Zuckerberg beflissen, das Buch nicht nur selbst gelesen, sondern auch seinen Kollegen gekauft zu haben, weil es helfe, die Eigenheiten des chinesischen Sozialismus zu verstehen. Die Geste wird dem Regime gefallen haben.

          In Mark Zuckerbergs Büro traf Chinas oberster Zensor Lu Wei auf ein Buch seines Staatschefs. Man sieht es am rechten unteren Bildrand.

          Auf dem eigenen Netzwerk und unter chinesischen Oppositionellen kam sie nicht gut an.  Karikaturen auf Facebook zeigten Zuckerberg in Uniform der roten Armee mit einem Exemplar von Jinpings Buch unter dem Arm. Der chinesische Regimekritiker Hu Jia, der für seine Kritik an der kommunistischen Partei mehrfach unter Hausarrest stand, attestierte Zuckerberg ein Verständnis der chinesischen Politik, das sich auf dem Niveau eines Dreijährigen bewege. Und der Soziologe Zhou Xiaozheng  monierte den besonders ungünstigen Zeitpunkt von Zuckerbergs platter Charmeoffensive.  Laut Zhou habe die Zensur gerade unter  Xi Jinping und Lu Wei massiv zugenommen. In diesem Jahr wurden Hunderte Blogger verhaftet und die Regeln für die Internetzugang verschärft.

          Zhous Schilderungen fügen sich ganz in das Bild, das ein Bericht von Amnesty International im November von Chinas Presselandschaft zeichnete. Die Menschenrechtsorganisation sprach von einem  System der Unterdrückung und Kontrolle, in dem eine  Armee von Zensoren gezielt und brutal gegen einzelne Aktivisten vorgeht. 

          Einen Monat vorher hatte Lu Wei die restriktive Netzpolitik seines Landes rechtfertigt: „Wir können wählen, wer unser Haus betreten darf.“ Er habe nicht gesagt, dass Facebook China nicht betreten dürfe, fügte er hinzu, aber auch nicht das Gegenteil.  Mark Zuckerberg scheint hier genau zugehört zu haben.

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