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Marcel Reich-Ranicki : Der Moment, da er sich selbst gegenübersteht

  • -Aktualisiert am

Der Kritiker und sein Darsteller: Marcel Reich-Ranicki und Matthias Schweighöfer Bild: dpa

Die Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki wird verfilmt, die Dreharbeiten beginnen in den nächsten Tagen. Reich-Ranicki will sich zwar nicht in das Projekt einmischen. Er lässt Regisseur und Hauptdarsteller aber schon mal wissen, wie er sich den Film vorstellt: als eigenständiges Kunstwerk.

          Das muss ein merkwürdiger Moment sein. Sich selbst gegenüberzustehen. Einem Gesicht, das für neunzig Minuten präsenter sein wird als das eigene. Einem Bild, auf dem man als junger Mann zu sehen ist, mit Hornbrille und zurückgestrichenen Haaren. Oder auch nicht. „Das ist gut geworden. Das sieht Ihnen wirklich ähnlich, oder?“ Der junge Mann, der hinter Marcel Reich-Ranicki steht, ist sichtlich stolz auf die Ähnlichkeit. Er hat pechschwarze Haare. Etwas zu schwarz vielleicht, meint irgendwer, das kriege man noch in den Griff. Dabei spielen Frisurfragen keine Rolle.

          Marcel Reich-Ranicki ist nicht nach Köln gekommen, um bei der anstehenden Verfilmung seiner Autobiographie durch den WDR die Verwandlung des siebenundzwanzigjährigen Schauspielers Matthias Schweighöfer in einen jungen, vorerst in Berlin lebenden Polen mit Lese- und Theatersucht zu kommentieren.

          „Es gibt ja mein Buch“

          Ganz im Gegenteil. Eine Woche vor Beginn der Dreharbeiten ist es ihm ein Anliegen, vor dem Regisseur Dror Zahavi und Schweighöfer noch einmal zu betonen, was er schon mehrfach sagte: dass er natürlich weiterhin für Gespräche zur Verfügung stehe, sich in Drehbuch und Verfilmung allerdings nicht einmischen wolle.

          „Der Schauspieler überzeugt mich sehr”: Marcel Reich-Ranicki

          „Es gibt ja mein Buch“, sagt Marcel Reich-Ranicki. Und ansonsten hinreichend Beispiele dafür, welcher Art die Kompromisse sind, wenn ein Schriftsteller sich zu sehr in das Handwerk eines Filmemachers einzumischen beginnt. „Ich will einen guten Film, keine solide Verfilmung.“ Was für ihn zählt, wenn der Film am 19. April 2009 gesendet wird, dem Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto, ist nur das Ergebnis. Ein Film, der „nur aus dem Medium heraus geboren“ werden könne.

          Für die Fotografen, die an diesem Abend nach Köln gekommen sind, zählt einzig das Bild. Sie bugsieren Marcel Reich-Ranicki unter die Porträtaufnahmen, die vor zwei Tagen bei der ersten Maskierung Schweighöfers entstanden. Sie schieben Schweighöfer neben Reich-Ranicki. Und sie stecken beiden, sicherheitshalber, noch einmal die Porträts in die Hand. Links Reich-Ranicki, das Original. Rechts Reich-Ranicki, die Kopie.

          Schiller war „irgendwie fiktiver“

          Matthias Schweighöfer ist immer noch unruhig. Er überlegt, welche Miene er den Fotografen entgegenhalten soll. Probiert es mit einem Lächeln. Schaut zu Reich-Ranicki herüber. Probiert es mit einem konzentrierten Blick. Dann Blitzlichtgewitter, minutenlang. Später wird er von seinem Diätplan erzählen. Davon, dass er sich Aufnahmen von allen Opern beschaffe, die der junge Marcel Reich-Ranicki als prägend erlebte. Und dass er lese, natürlich: „Diese Rolle ist die bislang größte Herausforderung für mich.“ Die Verkörperung des Schillers, meint Schweighöfer, fiel ihm vor drei Jahren leichter. Schiller sei „irgendwie fiktiver“ gewesen.

          Schiller! Marcel Reich-Ranicki, höchstselbst nun, gönnt dem Pressegespräch einen kleinen Schiller-Exkurs: „Schwieriger kann eine Rolle kaum sein.“ Und doch sei ihm, als er Matthias Schweighöfer zum ersten Mal gesehen habe, der Ferdinand aus Goethes „Egmont“ eingefallen. Der Zerrissene. Der Sohn. Der Idealist. Das war die Rolle, in der sich Reich-Ranicki diesen jungen Mann sogleich hätte vorstellen können. Und die Rolle des Reich-Ranicki? „Der Schauspieler überzeugt mich sehr, auch wenn ich noch nichts von ihm gesehen habe.“ Sie haben sich vor kurzem persönlich getroffen.

          Voller Hoffnung, voller Furcht

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