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Islamophobie : Da fehlt ein Schräubchen

Zwei Tage vor seiner Ermordung hat Stéphane Charbonnier ein Manuskript fertiggestellt. Jetzt ist es als Buch erschienen. Bild: AFP

Kurz vor seiner Ermordung hat der Chefredakteur von „Charlie Hebdo“ ein Manuskript fertiggestellt, das nun erschienen ist. Darin richtet er sich an die „Islamophobie-Betrüger“, die mit ihrem Verhalten Rassisten in die Hände spielten.

          Der Journalist Stéphane Charbonnier, genannt „Charb“, hat die Ausübung seines Berufs mit dem Leben bezahlt. Er war Chefredakteur von „Charlie Hebdo“ und wurde beim Attentat auf seine Zeitschrift ermordet. Zwei Tage zuvor hatte er das Manuskript für ein neues Pamphlet abgeschlossen.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Am Mittwoch ist es im Buchverlag des Satiremagazins erschienen: „Lettres aux escrocs de l’islamophobie qui font le jeu des racistes“ (Les Echappés, 120 S., 13,90 € ). Dieser offene Brief – so muss man den Titel zusammenfassen – richtet sich an die „Gauner der Islamophobie“, die sich von Rassisten instrumentalisieren lassen. Und enthält eine heftige Medienschelte. Der Begriff der „Islamophobie“ sei von islamistischen Fundamentalisten geschaffen worden, um in der Konkurrenz mit dem Antisemitismus bestehen zu können. „Vor dem Islam Angst zu haben ist idiotisch, aber kein Vergehen“, befindet Charb. „Religionen existieren nur dank ihrer Gläubigen, und über sie darf man sich lustig machen.“

          Das Problem seien weder die Bibel noch der Koran, die er als „inkohärente und schlecht geschriebene Seifen-Romane“ bezeichnet. Sondern jene, die sie „wie eine Ikea-Anleitung lesen“ und Angst hätten, dass nicht nur das Möbelstück, sondern „die ganze Welt zusammenbricht“, wenn sie sich nicht genau an die Buchstaben halten. Ihnen wäre schon geholfen, wenn sie den Schraubenzieher so kreativ und frei handhaben würden wie Charb den berühmten Bleistift. Aber manchmal fehlt leider nicht nur in den Packungsbeilagen von Ikea mit dem Montagematerial ein Schräubchen.

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