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Brasilien vor der Wahl : Hexen und Satan sind das große Ding

Alles Hexen? Brasilianer gehen gegen den Favoriten der Stichwahl am Sonntag auf die Straße. Bild: Picture-Alliance

Der Wahlkampf wird mit manipulierten Massenmedien geführt, die evangelikale Kirche übt Einfluss, wo sie kann, und Jair Bolsonaro wird zum Kreuzritter in einem gespaltenen Land: Wie Brasilien vor der Stichwahl die Kontrolle verliert.

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          Journalistisch gesehen, und damit fängt es an, lässt sich die Story wirklich gut erzählen. Zum Beispiel, dass Jair Bolsonaro, möglicherweise der kommende Staatspräsident Brasiliens, mit zweitem Vornamen „Messias“ heißt. Wer denkt da nicht an die fromm himmelwärts gerichteten Augen brasilianischer Fußballer? Oder an die Gruselgeschichten, die in fast jedem Bolsonaro-Porträt stehen: dass er vor fünfzehn Jahren einer Parlamentsabgeordneten zurief, sie sei zu hässlich, um vergewaltigt zu werden? Dass er die Diktatur der Demokratie vorzieht. Dass er lieber einen toten als einen schwulen Sohn hätte. (Er hat vier, alle lebendig, alle mutmaßlich heterosexuell, drei von ihnen sind ebenfalls in der Politik, und der vierte hat offenbar auch Lust dazu.) Oder dass Polizisten ihre Waffen trügen, um zu töten. Er selbst hat, wie er bedauernd zugab, in seiner aktiven Zeit als Hauptmann nie jemanden töten dürfen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Sollte also Jair Messias Bolsonaro, 63 Jahre alt, Spitzenkandidat der Sozialliberalen Partei PSL – die kaum ein Mensch kennte, säße er nicht bei ihr im Sattel – die Stichwahl an diesem Sonntag gewinnen, dann könnte er sogar einen Militär zum Kulturminister ernennen oder die Einrichtung gleich ganz abschaffen, über beides hat er schon gesprochen. Es wäre nur das drittgrößte Ministerium des fünftgrößten Landes der Erde.

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