Nach brisanter SMS : Springer-Manager verteidigt Döpfner
Der Springer-Manager Christian Nienhaus hat den wegen eines DDR-Vergleichs kritisierten Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner als „überzeugten Streiter“ für die Freiheit des Journalismus verteidigt. Der Geschäftsführer von WeltN24 sagte am Donnerstag beim Jahreskongress des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) „Publishers’ Summit 21“ in Berlin, Döpfner vergleiche weder den deutschen Staat mit der DDR, noch habe er die Absicht gehabt, die Journalistinnen und Journalisten in Deutschland zu beleidigen.
SMS an einen Freund
Döpfner habe die fragliche SMS an einen engen persönlichen Freund in einer hitzigen Debatte geschrieben mit der Vorbemerkung: um mal Stimmung in die Runde zu bringen. Er habe dabei einen Journalisten verteidigt, dessen Rauswurf der Gesprächspartner gefordert habe. „Das war sozusagen eher ein Böhmermann-Zitat“, sagte Nienhaus. „Das war Ironie, das war übertrieben, das war spitzfindig.“ Nienhaus räumte zugleich ein: „Wie er es formuliert hat, war natürlich Mist.“ Aber es sei nicht für die Öffentlichkeit gedacht gewesen. Mit Blick auf Döpfners Rolle als Präsident des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) betonte er, man sollte Ehrenämter nicht dadurch erschweren, dass man sagt, „alles was du je am Tisch sagst oder mit dem Patenonkel deines Sohnes oder deines Kindes besprichst oder schreibst, kann jeweils öffentlich ausgenommen werden“.
Döpfner hatte in einer privaten, später geleakten SMS an den Publizisten Benjamin von Stuckrad-Barre über den inzwischen entlassenen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt und dessen journalistisches Wirken in der Corona-Pandemie gesagt, er sei „der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden.“
Der Vizepräsident des Zeitschriftenverlegerverbands, Philipp Welte, wollte nicht beurteilen, ob Döpfner noch als BDZV-Präsident haltbar sei. Das seien Angelegenheiten des Springer-Konzerns und des BDZV. Das BDZV-Präsidium will sich in einer Präsenzsitzung am 24. November damit befassen. Julian Reichelt war am 18. Oktober als Chefredakteur der Bild-Zeitung entlassen worden, weil er private Beziehungen unterhielt, die nicht im Einklang mit seiner Position als Vorgesetzter gewesen seien, und dem Vorstand von Springer die Unwahrheit gesagt hatte.
