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TV-Kritik „Maischberger“ : Die Röttgen-Show

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen während der Sendung „maischberger“ am 5. Oktober Bild: WDR/Oliver Ziebe

Das wäre Sahra Wagenknecht nicht passiert: Bei „Maischberger“ hat Norbert Röttgens Widerpart, Amira Mohamed Ali von den Linken, die undankbare Rolle, nicht so recht zu wissen, wie ihr geschieht.

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          Was für eine Show! Eine Talk-Show, in der nicht aus Zusammenhängen gerissen wurde, sondern solche Zusammenhänge beinahe schon penetrant hergestellt und immer aufs Neue wiederholt wurden. Norbert Röttgen nennt das „fokussiert bleiben“: „Man sollte sich auf das eine Ziel fokussieren: Wie schaffen wir den Frieden? Und der Schritt zu dem Frieden ist den Krieg zu besiegen. Der muss besiegt werden.“ Erst in diesem Zusammenhang hat die Feststellung ihren Sitz, dass Putin den Krieg will, dass den Krieg besiegen folglich heißt: Putin besiegen, und es ist dann auch dieser Zusammenhang, in dem das Wort vom „Siegfrieden“ seine Bedeutung gewinnt: „Die Ukraine muss gewinnen, damit Putin nicht weitermacht.“

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

          Röttgen tat bei „Maischberger“ im Grunde nichts anderes, als eisern darauf zu achten, dass der beschriebene Kontext im Blick blieb, nicht mal eben zerrissen, außer Kraft gesetzt wurde. Röttgen – erfahrener Talker, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, unausgeflippter CDU-Politiker – weiß natürlich, dass Talkshows vom Legen falscher Fährten leben, von okkasionellen Einfällen, die nur in einem für Ablenkungen empfänglichen rhetorischen Feld platzierbar sind, unbehindert von störenden Zusammenhängen. Deshalb diese ungeheure Herausforderung fürs Genre, wenn es da jemand wirklich mal darauf anlegt, bei der Sache zu bleiben, entschlossen, jede neu gelegte Fährte am aufrecht erhaltenen Zusammenhang zu prüfen. Röttgen war eben just darauf fokussiert, die Talkshow geriet unter seiner Versuchsanleitung zu einem rhetorischen Experiment, bei dem Röttgens Widerpart, die Fraktionsvorsitzende der Linken, Amira Mohamed Ali, die undankbare Rolle hatte, nicht so recht zu wissen, wie ihr geschah.

          Das wäre Sahra Wagenknecht nicht passiert. Sie hätte im Zweifel sofort gemerkt, was gespielt wird und ihrerseits Röttgen auf Zusammenhänge der anderen Art festgelegt. Aber Amira Mohamed Ali legte arglos Positionen dar, um Zusammenhänge zwar nicht unbekümmert, aber solche doch nur insoweit heranziehend, wie es gerade passte, und da half es ihr wenig, dass die Positionen, die sie rechtschaffen, aber im Ganzen eben doch dekontextualisiert vortrug, sich in der Sache kaum von jenen unterschied, mit denen Wagenknecht für Furore gesorgt hatte und dies abermals täte, immer wieder gerne, ließe man sie nur (gegen Waffenlieferungen, gegen Sanktionen etc.).

          Röttgen hält Atomwaffeneinsatz für unrealistisch

          Also was sagte Röttgen, welche Zusammenhänge spannte er auf? Er antwortete, ungewöhnlich genug, auf Fragen der Moderatorin nicht mit dem üblichen, aufschiebende Wirkung herstellenden „Na ja“, um dann alle möglichen Einfälle loswerden zu können (wie es in der Sendung ein „Stern“-Chefredakteur namens Schmitz, Gregor Peter vormachte, mit einer seltsamen Dauerfreundlichkeit, mimisch als Dauerlächeln rüberkommend, eben auch dort, wo es um Leben und Tod ging). Röttgen indes antwortete mit „Ja“ oder „Nein“, um dann das eine wie das andere im Zusammenhang zu begründen, unaufgeregt, höflich, jedoch schneidend, „die Realität“ und „die Menschen“ als Bezugsgrößen parat und damit unausgesprochen gegen eine Kulisse des nicht Wahrhabenwollens schießend.

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