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TV-Kritik Maischberger : Laschets Lavieren

  • -Aktualisiert am

Armin Laschet zu Gast bei Sandra Maischberger Bild: WDR/Melanie Grande

Bei Sandra Maischberger gibt Armin Laschet erstmals nach seiner Wahlniederlage ein ausführliches Fernsehinterview. So manche Antwort des CDU-Vorsitzenden macht fassungslos.

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          Natürlich warten alle auf ihn: Armin Laschet, gescheiterter Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl und Noch-Vorsitzender der CDU. Er gibt an diesem Mittwochabend bei „Maischberger, die Woche“ erstmals nach seiner Niederlage ein ausführliches Interview. Neben der Wahl will Sandra Maischberger auch über die vierte Welle der Corona-Pandemie und die Klimakonferenz in Glasgow diskutieren. Kommentieren sollen das alles der Schauspieler Ralf Moeller, die Zeit-Journalistin Anna Mayr und der langjährige Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens Sigmund Gottlieb. Als Experte für die Themen Corona und Klimaschutz ist zudem der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar eingeladen.

          Auf Laschet müssen die Zuschauer allerdings zunächst noch warten. Maischberger gibt zu Beginn der Sendung erst einmal den anwesenden Kommentatoren die Möglichkeit, ihre Verlierer der Woche zu benennen. Leider, wie sich schnell herausstellen wird. Denn die Diskussionen zwischen Mayr, Moeller und Gottlieb verharren den Abend über auf einem sehr überschaubaren Niveau. Die Gefahr eines thematischen Tiefgangs wird in ihren Gesprächen jedenfalls nicht aufziehen.  

          Zumindest passt es zum späteren Gast Laschet, dass mit dem Schauspieler Ralf Moeller ein Wahlkampfunterstützer von Laschet und wahrer Fan am Tisch sitzt. Moeller beklagt denn auch die Charakterlosigkeit der CDU. Eventuell habe Laschet ein, zwei Fehler gemacht. Verloren habe man allerdings aufgrund des Zustands der CDU. Dort gehe es ja kunterbunt zu, stellt Moeller fest. Jeder versuche, Laschet einen reinzuwürgen. Moeller analysiert: Das Schlaue der SPD sei gewesen, ihren eigenen Mann zu unterstützen. Die CDU jedenfalls sei auf Dauer nicht mehr wählbar – nicht wegen fehlender oder falscher Inhalte, sondern weil sie nach der krachenden Wahlniederlage einen neuen Parteivorsitzenden suche und nicht mit Armin Laschet an der Spitze weitermache. Einige von Moellers Aussagen mag so mancher noch nachvollziehen können, seine Schlussfolgerung wird der Schauspieler hingegen wohl eher exklusiv haben.

          Spektakuläre Ausführungen

          Nahezu spektakulär wirken auch die Ausführungen von Sigmund Gottlieb, der sich eigenen Aussagen zufolge schon im Wahlkampf immer wieder gefragt hat, was man dem armen Armin Laschet so alles antue. Doch damit nicht genug. Zu all den Problemen und Schwierigkeiten seien dann auch noch die Medien hinzugekommen, deren unvergleichliche Häme er beim besten Willen nicht akzeptieren könne. Gottlieb macht das am Begriff „Entsorgen“ fest – solche Ausdrücke hätte man früher in anderen Zusammenhängen gebraucht. Zum Glück unterbricht Sandra Maischberger an dieser Stelle den sich in Redefluss bringenden ehemaligen Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens und bittet stattdessen Armin Laschet ins Studio.

          Maischberger skizziert zu Beginn des Interviews in wenigen Worten den rasanten Aufstieg und dramatischen Absturz des CDU-Politikers: Vom NRW-Ministerpräsidenten zum CDU-Parteivorsitzenden zum Kanzlerkandidaten der Union bei der Bundestagswahl – und nun sei all das mit einem Schlag weg. Ob er das alles schon verkraftet habe, will die Moderatorin wissen. Doch schon bei dieser recht unverfänglichen Einstiegsfrage stimmt Laschet einen eingängigen Refrain an, auf den er später bei vielen weiteren Antworten zurückgreifen wird. Er lautet: Schuld sind in Wirklichkeit doch die anderen.

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