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TV-Kritik „Maischberger“ : Nun sag, wie hast du’s mit dem Islam?

Islam und Bundesrepublik: Jan Fleischhauer, Bettina Gaus, Sandra Maischberger, Haluk Yildiz und Necla Kelek (von links) waren sich in kaum einem Punkt einig. Bild: WDR/Max Kohr

Sandra Maischberger fragt im Anschluss an die Verfilmung des Houellebecq-Romans „Unterwerfung“: „Wo endet die Toleranz?“ Im Gegensatz zum Film geht es bei ihr tatsächlich um den Islam und unsere Gesellschaft. Und zwar heftig.

          Wie vermint das Terrain des öffentlichen Diskurses ist, wenn es um den Islam geht, zeigt die Sendung von Sandra Maischberger von diesem Mittwochabend schon vor ihrem Beginn. Denn da tobt eine Twitter-Debatte über den Titel der Talkshow. „Sind wir zu tolerant gegenüber dem Islam?“, hat die Redaktion zunächst gefragt. Sie ändert ihre Arbeitshypothese in: „Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?“ Zuvor gab es einen kleinen Shitstorm, an dem sich auch Sawsan Chebli, die Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, beteiligt: „Gestern fragt Plasberg @hartaberfair, wie kriminell Flüchtlinge sind. Morgen will @maischberger wissen, ob wir zu tolerant ggü dem Islam sind. Geht‘s noch?“ fragt Frau Chebli. Sie scheint schon am Tag vor der Sendung zu wissen, dass diese tendenziell fremdenfeindlich oder islamophob ausfällt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ob sie das auch nach der Sendung behauptet? Sandra Maischberger jedenfalls setzt mit ihrer Sendung im Anschluss an die ARD-Verfilmung des Romans „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq an einem Punkt an, den die Inszenierung des Regisseurs Titus Selge mit seinem Onkel Edgar Selge in der Hauptrolle tunlichst vermeidet. Im Film erscheint die Angst vor einem islamisch geprägten Staat, der an die Stelle der auf dem Grundgesetz fußenden Bundesrepublik (oder eines laizistischen Frankreichs) tritt, als persönliche Verwerfung von Houllebecqs Romanfigur Francois, der in seiner ganzen Schlaffheit mit dem Übertritt in eine patriarchalische Gesellschaft liebäugelt, die ihm alle Probleme abnimmt, weil er als Mann und Muslim automatisch über allen anderen steht, über Andersgläubigen und Andersdenkenden, vor allem aber über Frauen. Wie das für Francois wäre, das spielt Houellebecq in seinem Roman durch, der an dem Tag erschien, als Islamisten das Attentat auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ verübten. Doch der Schriftsteller gibt die Frage selbstverständlich nicht nur seinem Helden und dem Leser auf, sondern richtet sie an die Gesellschaft.

          Das wird im Film auf eine rein persönliche Perspektive – im Sinne einer Paranoia –, reduziert, bei Sandra Maischberger aber sofort mit Blick auf Staat und Gesellschaft geweitet. Dafür sorgen die Soziologin Necla Kelek und Haluk Yildiz, Vorsitzender der islamischen Partei BIG (Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit), die im Bonner Stadtrat sitzt. Sie gehen gleich in den Infight und fetzen sich über den Islam in Deutschland. Haluk Yildiz sitzt zumeist recht ungehalten zwischen Necla Kelek und der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Er nimmt sogleich die Haltung des Verfolgten ein, während Necla Kelek sich darüber beklagt, dass mit Blick auf „Minderheiten“ immer nur über die Bedürfnisse des Islam geredet werde, die soziale Realität aber längst davon zeuge, dass dieser – zumindest in Form seiner politischen Repräsentanten –, für sich einen Raum beanspruche, der zu „Parallel- und Gegengesellschaften“ geführt habe, welche die Grundlagen der Bundesrepublik negierten oder angriffen.

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