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Landeshauptstadt ohne „Tatort“ : Auch Mainz braucht Kommissare!

Kein Heimspiel: „Tatort“-Kino in einer Mainzer Kneipe. Bild: dpa

Mainz ist ein weißer Fleck auf der „Tatort“-Landkarte. Oberbürgermeister Ebling würde das gerne ändern. Doch hat er eine Chance gegen Ludwigshafen? Eins ist klar: Das Land braucht mehr „Tatorte“.

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          Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling hat einen Traum: Einen eigenen „Tatort“ für die goldische Stadt am Rhein, das wäre es doch. Wann taucht Mainz schon im Fernsehen auf? Wenn es „singt und lacht“, wenn es um kommunale Schulden geht oder wenn die Schiersteiner Brücke durchbricht. Doch nicht nur vom Verkehrsgeschehen ist die Landeshauptstadt abgeschnitten, sondern auch ein weißer Fleck auf der „Tatort“-Landkarte der ARD, auf der es nicht besonders viele weiße Flecken gibt.

          Das, jammert der OB Ebling, lasse sich „nur schwer mit unserem Selbstverständnis als stolze Landeshauptstadt in Einklang bringen“. Das benachbarte Wiesbaden hat mit Ulrich Tukur inzwischen seinen eigenen, glänzenden LKA-Ermittler, und Ludwigshafen stellt mit Ulrike Folkerts als Lena Odenthal sogar – wir erinnern uns – die dienstälteste „Tatort“-Kommissarin. Seit 1989 muss sie es am Chemiestandort aushalten. Und wo es sonst noch alles „Tatorte“ gab und gibt: im Zonenrandgebiet Saarbrücken, in Kiel, am Hotspot Hannover oder in Weimar. Am Bodensee geht die Ära von Eva Mattes und Sebastian Bezzel gerade zu Ende, und schon buhlen mit Freiburg, Heidelberg und Mannheim die nächsten SWR-Städte um ein Kommissariat. Mannheim? Liegt das nicht direkt neben Ludwigshafen? Was wäre denn das für ein Krimi-Knotenpunkt?

          Mobile Eingreiftruppe gegen den „Missstand“

          Für den Intendanten Peter Boudgoust, der es sich als Standortpolitiker gerade erst mit den Orchesterfreunden in Freiburg und Baden-Baden verscherzt hat, ist das jedenfalls die nächste große Regionalförderungsaufgabe. Vielleicht sollte der „Tatort“, um derlei Probleme zu lösen, gleich ganz und gar auf Städtetour und Tournee gehen. Der Bayerische Rundfunk macht es vor: Die neuen Kommissare mit den klangvollen Namen Voss, Ringelhahn, Goldwasser, Fleischer und Schatz sind zwar in Nürnberg ansässig, aber für das ganze Frankenland zuständig. Und man muss sich nur einmal die aktuelle „Tatort“-Unterversorgung im Osten ansehen: Brandenburg ist eine Brache, Mecklenburg-Vorpommern ist Ermittler-Niemandsland, und in Sachsen-Anhalt gibt es auch nur den „Polizeiruf“.

          Könnten wir uns hier nicht nach dem Vorbild der Flying Doctors eine mobile Eingreiftruppe vorstellen? Die Dörfer in der Provinz würden es der ARD danken und die Zuschauer auch, die aus lauter Verzweiflung selbst die „Tatort“-Wiederholungen in der Sommerpause achtmillionenfach einschalten. Das arme Mainz aber war, wie die Stadtverwaltung mitteilt, 1980 „Tatort“-Schauplatz und danach nur noch zweimal. Drei Einsätze in 35 Jahren? Das ist fürwahr ein „Missstand“ mit drei s, von dem der für seine Jovialität bekannte OB Ebling schreibt. Ein kleiner Trost: Der LKA-Ermittler Murot alias Ulrich Tukur ist auch für die rechtsrheinische Enklave Mainz-Kastel zuständig.

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