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Chefredakteure unter Beschuss : Alles eine Frage des Aufmachers

Wie den Leser für sich gewinnen? „Spiegel“, „Stern“ und „Fokus“ haben die Schlagzeilen im Augenblick für sich. Bild: dpa

Drei Magazine in der Krise: Bei „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ geht es rund. Die Suche nach neuem Führungspersonal zeigt, dass sich die Verlage ihrer Sache nicht mehr sicher sind.

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          Auf den Titel kommt es an. Auf eine Titelgeschichte, über die sich das Heft am Kiosk verkauft. Sie muss den geneigten Leser auf den ersten Blick davon überzeugen, 4,40 Euro oder 3,70 Euro auszugeben. 4,40 Euro kostet der „Spiegel“, zu dem anderen Preis sind „Focus“ und „Stern“ zu haben. Alle drei Blätter sorgen im Augenblick für Schlagzeilen - allerdings bei anderen. Zuerst musste der „Stern“-Chefredakteur Dominik Wichmann gehen, dann der „Focus“-Chef Jörg Quoos, und Wolfgang Büchner ist beim „Spiegel“ auf Bewährung. In den nächsten Wochen muss er die Redaktion für seinen Plan zu einem digitalen Magazin gewinnen. Eine Redaktion, die ihm mit sehr großer Mehrheit gerade das Misstrauen ausgesprochen hat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wie hält man sich als Chefredakteur eines Magazins? Man muss viele Qualitäten auf sich vereinen und sollte in keiner Disziplin schwächeln - einen Riecher für Themen sollte man haben, um die Qualitäten des Blattes und die Stärken der Redaktion wissen; den Kern der Marke kennen; mit Recherchen, Reportagen oder klugen Analysen vorne liegen und die Herausforderung des Internets annehmen, die da lautet: Die Nachricht an sich hilft uns nicht weiter, wir müssen im Handumdrehen eine Zugabe liefern, die uns von allen anderen unterscheidet.

          Der Focus als Ratgeberheftchen

          Das alles kulminiert nach wie vor in der Titelgeschichte. Ob sie verfängt, daran wird der Erfolg von Magazinmachern gemessen. Viel stärker als bei Zeitungen lässt sich der Titel eines Magazins vermessen - die Auflage der Woche wird direkt mit dem verbunden, was auf Seite eins steht. Was zieht am besten? Politik, Katastrophen, „weiche“ Themen, Lifestyle, Ratgebertipps oder das Dritte Reich?

          Auf Letzteres, so wird in der Branche schon immer gewitzelt, komme man beim „Spiegel“, wenn alles andere nicht mehr reize. Auf was setzt das Magazin in dieser Woche? Auf „Die Akte Auschwitz“. Und davor? War „Der Staat des Bösen“ (das Kalifat der IS-Terroristen) das Titelthema. Beim „Stern“ ging es vor einer Woche um den „Wahnsinn Pubertät“ und gestern um „Die Kriegsministerin“ (Ursula von der Leyen). Der „Focus“ setzt auf das „Fahrrad“ („Wie Sie ganz einfach Bewegung in Ihr Leben bringen“) und wollte uns zuvor mit dem Titel helfen: „Besser denken!“ (inklusive DVD mit zwanzig Übungen zum Gehirntraining).

          Beim „Focus“ sieht das ziemlich hilflos aus. Ganz klein wird auf der Titelseite der Terror der Islamisten („Deutsche Raketen gegen das Böse“) angesprochen, der junge Mann mit Jeans und Strickjacke, dem das Hemd aus der Hose hängt, scheint mit seinem Rennrad aber wichtiger zu sein. Doch wo die Reise hingehen soll, das wissen sie beim „Focus“ offenbar nicht. Von einem Nachrichtenmagazin ist nichts mehr zu sehen. Mal geht es um Tipps für eine glückliche Ehe, dann um gesunde Zähne oder um des Menschen besten Freund: „Wie ein Hund das Leben glücklicher, chaotischer und gesünder macht“.

          Stellenkürzungen und verschenktes Potential

          Das 1991 unter dem Projektnamen „Zugmieze“ entwickelte Magazin ist auf den Hund gekommen. Dem Verleger Hubert Burda, dem Gründungschef Helmut Markwort und dem jetzigen Vorstand konnte das nicht gefallen, von Relevanz keine Spur, und weniger als 80 000 Exemplare im Einzelverkauf kann sich der Verlag nicht leisten. Wobei man sagen muss, dass der Chefredakteur Quoos, der bei der „Bild“-Zeitung als ein hervorragender stellvertretender Chefredakteur galt, vor knapp anderthalb Jahren beim „Focus“ eine höchst undankbare Aufgabe übernommen hat.

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