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Magazine für junge Frauen : Mädchen im Strom

Jane Pratt, 49 Jahre alt, ist die Chefredakteurin von „xoJane“ Bild: ddp images / Sipa

Ein größeres Ganzes, an das man sich halten kann oder eben nicht: Zwei neue amerikanische Magazine probieren im Internet aus, wie man heute junge Frauen anspricht. Sie heißen „Rookie“ und „xoJane“.

          5 Min.

          Es geht mal wieder um Magazine und die Menschen, die sie machen. Und darum, wie diese Menschen auf der Höhe mit den Rätseln und Problemen bleiben, die sich stellen, wenn man nur aus dem Haus geht, weil man ja am liebsten doch von diesen Rätseln und Problemen erzählt oder über sie lesen will.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das Problem, was und warum sich andere Leute so anziehen, wie sie es tun, zum Beispiel, ist da nur das kleinste. Wie findet man den Ton dafür und die Bilder dazu, zum Leben jetzt und hier und bald? Wie bleibt man am besten nicht nur auf der Höhe, sondern hält immer einen Vorsprung auf die Gegenwart? Woher kommt überhaupt die Intuition? Und welche ist die richtige? Sehr anstrengend kann das sein. Immer wieder sind Magazine an diesem Stress eingegangen, neu zu bleiben, weiter zu sein als andere, anders zu denken und genauso anders darüber zu schreiben, irgendwann war das nicht mehr synchron, bei „The Face“ zum Beispiel war es so oder bei „Tempo“.

          Bei „Rookie“ geht es nicht mehr nur um Mode

          Die fünfzehnjährige Tavi Gevinson, Chefredakteurin des amerikanischen Mädchenmagazins „Rookie“, hat diese Probleme clever umgangen. Seit sie elf ist, schreibt sie ein Blog über Mode, „style rookie“, das hat natürlich schnell für ziemliches Aufsehen gesorgt: eine Elfjährige, die dann bald auch zu Modenschauen nach Paris eingeladen wurde, Fotostrecken für etablierte Magazine gestaltete oder Videos von der New Yorker Fashion Week drehte, sogar die „Bild“ berichtete. Tavi sah beängstigend schlau aus bei alledem, zierlich und klein mit monoton lässiger Stimme, die erstaunlichste Hipsterbrille im blassen Gesicht - und dann erwähnt sie im Nebensatz mal einfach so Edie Sedgwick. (Man muss sich nicht schämen, wenn man googelt, wer das ist, man muss sich eher fragen, wann genau in ihrem jungen Leben Tavi Gevinson das getan hat.)

          Die Modebloggerin Tavi Gevinson, 15, leitet „Rookie“

          Aber bevor sich dieser irritierende Effekt abnutzen konnte oder verdächtig wurde - ein Teenager zwischen Jason Schwartzman, Karl Lagerfeld und den Schwestern vom Modelabel Rodarte, das könnte man ja auch für einen Trick halten -, hat sich Tavi Gevinson aus Oak Park in Illinois befreit von dem Druck, das jüngste Radar der übernächsten Kollektionen zu sein, und sich im letzten Frühjahr zusammengetan mit Jane Pratt und ein Magazin gegründet. Für Mädchen. Im Internet. Wo sonst?

          Bei „Rookie“ geht es jetzt nicht mehr nur um Mode, sondern gleich um alles, aber dafür eben auch nicht mehr um ein Wunderkind namens Tavi allein. „Today, Yesterday, This Month, Everything“ steht oben auf der Website, das sortiert zwar nur das Erscheinungsdatum von Artikeln wie „Getting over the Suburban Teenage Wasteland Blues“, aber im Grunde steckt es auch die Welt ab, aus der hier ungefähr fünfzig Autorinnen (und ein Autor namens Spencer) berichten. Und die nicht nur aus Vororten besteht und dem Blues, den sie auslösen.

          Jetzt ist sie wieder da

          Jane Pratt wiederum, die für „Rookie“ die gute Fee und Patin gleichzeitig ist, so steht es jedenfalls im Impressum, war auch mal ein Wunderkind im amerikanischen Gegenwartsbeschreiben: Anfang der Neunziger leitete sie die Redaktion von „Sassy“, das eigentlich als Musikmagazin für Mädchen begann, aber dann noch mehr ein Magazin für Mädchen wurde, deren Leben sich wegen Gefühlskomplexität und abweichender Kleidung stark von der Gegenwart abhob, woraus sich eine ästhetische Haltung ergab, die bald sehr populär wurde: Grunge, im weitesten Sinne.

          Chloë Sevigny war 1992 Praktikantin bei „Sassy“, mit siebzehn und lange bevor sie mit dem Film „Kids“ 1995 berühmt wurde. Aber eigentlich waren es damals die Jahre von Winona Rider: So wie sie das Gesicht von Grunge war, war „Sassy“ das Magazin für Mädchen wie Winona Rider und solche, die gern so aussähen, und Jungen, die gern eine Freundin wie Winona Rider gehabt hätten.

          „Sassy“ verschwand dann genauso wie Winona Rider verschwand, was bestimmt miteinander zusammenhängt. Jane Pratt, Jahrgang 1962, blieb noch einige Zeit länger die Chefin vom Nachfolgemagazin „Jane“, das schließlich auch eingestellt wurde, sie bekam eine Tochter, ging zum Radio, und jetzt ist sie wieder da.

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