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AdBlocker-Produzent Eyeo : Werbebanner mit Mafia-Methoden

Bild: Kat Menschik

Glaubte einer, die Online-Mafia Eyeo lege ihre Methoden offen? In den jüngsten Beteuerungen des Unternehmens findet sich wenig Neues. Ein Blick in die Whitelist des AdBlocker-Produzenten ist da schon interessanter.

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          Was tun, wenn einem Mafiamethoden, virtuelle Wegelagerei und zutiefst doppelbödige Geschäftspraktiken vorgeworfen werden? Man tut so, als betreibe man ein transparentes Unternehmen, das nur bescheidene Gewinne anstrebe, eigentlich aber das Wohl aller im Blick habe. So wirbt die Kölner Software-Firma Eyeo für sich und stellt auf ihrer Website eine von Branchendiensten als vermeintliche Offenlegungsoffensive kolportierte Selbstbeschreibung aus. Die aber ist nur eines: ein Kulissenbau aus – um es im Jargon der Firma zu formulieren – nervigen Reklamebotschaften, die sich wie blinkende Pop-Ups vor den Content legen. Der ist immer noch derselbe.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Eyeo hat den Online-Werbefilter Adblock Plus entwickelt. Internetnutzer können ihn kostenlos herunterladen, installieren, schon sehen sie keine Werbung mehr. Das heißt: fast keine Werbung. Denn Eyeo hat klug erkannt, dass das kleine Tool ein großes Erpressungspotential birgt: Wer zahlt, kann sich von der Blockade freikaufen und landet auf der „Whitelist“ des Unternehmens, die „akzeptable Werbung“ umfassen will. Für die Freischaltung fordert die Firma dreißig Prozent des zusätzlichen Werbeumsatzes von den Inhalteanbietern.

          Wer es auf die Whitelist schafft

          Als zahlende „Partner“, wie man das bei Eyeo nennt, lohnen sich vor allem die Großen. Das sollen etwa siebzig (in der Selbstdarstellung weiter ungenannte) Unternehmen sein, die ohne Blockade mehr als zehn Millionen zusätzliche Ad-Impressions erreichen. Google, Microsoft, Yahoo und andere Riesen sollen dabei sein – und Millionen zahlen. Wie viel, darüber schweigt Eyeo. Und gibt sich generös: Kleine Fische im Netz können ohne Gegenleistung um Aufhebung der Blockade bitten, das seien neunzig Prozent der „Partner“. All das hat Eyeo-Chef Till Faida schon vor Monaten gesagt. Ebenso, dass er Online-Dienste doch nicht erpresse, sondern ihnen nur helfen wolle, bessere Werbung zu machen. Werbung, die ankomme. Also Werbung von Eyeos Gnaden.

          So inszeniert sich die Firma als ehrlicher Makler, lässt in Wahrheit als Türsteher die Muskeln spielen und verschweigt, was der Journalist Bernd Rubel für das Portal „Mobilegeeks“ herausfand: Auch Porno- und Abzocker-Seiten landeten auf der Whitelist, weil Eyeo mit Werbetreibenden in einem Boot sitze. Auf der Liste „akzeptabler Werbung“ stehe die Firma Sedo, die Netzadressen hortet und zu entsprechenden Websites weiterleitet. Einer der Gründer von Sedo, Tim Schumacher, gehört zu den Investoren von – Eyeo. Wer all das weiß, wünscht den Klagen, die mehrere Medienhäuser gegen die Firma verfolgen, allen Erfolg. Und für Eyeos Eigenwerbung einen Adblocker.

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